Cultura

16 novembre 2018IDM

Geschichten, Gesichter, Leidenschaften: Ein Südtirol, das Talente anzieht, wird zu Kunst

Vom 10. Dezember bis 11. Januar findet in der Dream Factory Gallery in Mailand Talents – „Come and take a piece of us” von Tarin Gartner und Malou Reedorf statt. Ein interaktives Kunstprojekt zwischen faszinierenden Doppelbelichtungen und sehr persönlichen Geschenken zum Mitnehmen

„Es gibt etwas, das uns noch mehr verbindet als die Kunst – es ist die Liebe zu Südtirol.” Doch wer sind Tarin Gartner und Malou Reedorf, die für das Projekt Talents – „Come and take a piece of us” verantwortlich sind? Tarin Gartner ist eine israelische Künstlerin, Malou Reedorf eine dänische Fotografin. Beide haben seit Jahren in Südtirol eine neue Heimat gefunden. Mit der Ausstellung, die vom 10. Dezember 2018 bis zum 11. Januar 2019 in der Dream Factory Gallery im Corso Garibaldi 117 in Mailand stattfindet, soll Südtirol gerade durch die Leidenschaft seiner Bevölkerung präsentiert werden. Denn schließlich stellt uns das, was wir lieben, wohl am besten dar.

 

„In Südtirol kann sich jeder integrieren und, auch dank der Mehrsprachigkeit, frei entfalten“

 

„Ich wurde in eine Fotografenfamilie hineingeboren. Zur Kamera zu greifen und drauflos zu fotografieren war für mich das Natürlichste der Welt”, sagt Malou Reedorf. „Die Fotografie ist eine Form der Kommunikation, eine Möglichkeit, mich durch meine Bilder auszudrücken. Meine Fotos wollen die Welt nicht so wiedergeben, wie sie ist, sondern so, wie meine Seele sie wahrnimmt, wie ich sie gerne hätte – immer im Spannungsfeld zwischen Realität und Fantasie.”

Malou Reedorf wurde 2015 in Dänemark zur „Fotografin des Jahres” gewählt. Sie lebt seit 2014 in Italien und seit 2018 in Südtirol, wo sie am Talent Attraction Management des NOI Techpark mitarbeitet. Zu Malou Reedorfs Lieblingsmotiven zählen Frauen, deren Persönlichkeit sie in ihren Bildern aufzeigt. Unverkennbares Zeichen ihres Stils sind auffällige Make-ups: lebhaft, frech, fast traumhaft. Malou Reedorf liebt nicht nur Südtirols Natur, die sie immer wieder darstellt, sondern auch die Menschen, die im Land leben. „Bergvölker gelten grundsätzlich als verschlossen, vorsichtig und zurückhaltend. Die Südtiroler sind hingegen durchaus bereit, über sich zu sprechen und, auch mit Hilfe fremder Erfahrungen, zu wachsen”, sagt die Fotografin. „Es überrascht mich nicht, dass ich hier so vielen Menschen begegnet bin, die, so wie ich, nicht in Südtirol geboren sind. In diesem Land kann sich jeder integrieren und, auch dank der Mehrsprachigkeit, frei entfalten. So kann ich zum Beispiel mit allen Englisch sprechen, ohne Angst zu haben, nicht verstanden zu werden. Hier fühle ich mich zu Hause.”

 

„In Südtirol konkurrieren die Unternehmen um die besten Köpfe, die in den Betrieben geschätzt und dazu angeregt werden, Verantwortung zu übernehmen“

Auch Tarin Gartner ist aus dem Ausland nach Südtirol gezogen. Sie ist eine zeitgenössische Künstlerin, die sich weltweit einen Namen gemacht hat. In Jerusalem geboren, lebt Tarin Gartner seit über 20 Jahren in Italien, wo sie ein Studium an der Brera Academy of Fine Arts in Mailand mit Auszeichnung abschloss. Seit 2013 ist sie in Südtirol. Zu ihren Werken zählen Fotografien ebenso wie Zeichnungen, Skulpturen und Installationen. Sie erzählen von inneren und äußeren Konflikten – allen voran dem blutigen und noch immer ungelösten Nahostkonflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Ziel ihres gesamten Schaffens ist es, tief mit der Welt in

Kontakt zu treten, Barrieren zu überwinden und ständig nach Freiheit zu suchen. Südtirol ist für Tarin Gartner aber nicht nur ein Ort zum Arbeiten, sondern auch Lebensraum. „Von Anfang an habe ich verstanden, dass sich diese Region von allen anderen unterscheidet. Hier will man wirklich den künftigen Generationen eine blühende Zukunft ermöglichen. Dies zeigt sich auch in der Art, wie junge Talente aufgenommen werden. In Südtirol konkurrieren die Unternehmen um die besten Köpfe, die in den Betrieben geschätzt und dazu angeregt werden, ihr Bestes zu geben und Verantwortung zu übernehmen.” In ihrer Wahlheimat sei es aber nicht nur möglich, sich beruflich zu entfalten, sondern auch privat. Sie habe lange Zeit in Mailand gelebt, einer Stadt, die sie zwar liebe, die ihr jedoch nicht die gesuchte Lebensqualität bieten hätte können. Dies sei jetzt in Meran der Fall, „einem Ort, in dem meine Kinder groß werden können, während ich meine Kunst weiterentwickle.”

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Fotocollagen. Sie zeigen junge Talente, die sich für Südtirol entschieden haben

Das Projekt Talents – „Come and take a piece of us” ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, möglichst vielen Menschen das Land Südtirol näher zu bringen. Die Ausstellung, die vom 10. Dezember 2018 bis zum 11. Januar 2019 in der Galerie Dream Factory in Mailand stattfindet, will einen Dialog herstellen zwischen den Menschen, die in Südtirol geboren oder nach Südtirol gezogen sind, und solchen, die das Land nicht kennen. Dabei wird die Region mit ihrer multikulturellen Gesellschaft als ein Ort des Austausches und der Innovation dargestellt. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Fotocollagen. Sie zeigen junge Talente, die sich für Südtirol entschieden haben. Die Werke, die mit der Technik der Doppelbelichtung realisiert wurden, verbinden Gesichter und Landschaften, urbane Elemente und Aspekte des täglichen Lebens. Zu jedem Bild gibt es auch einen sehr persönlichen Spruch, der die Passion der porträtierten Menschen für Südtirol zum Ausdruck bringt.

 

„Südtirol: Das Land, das wir heute unser Zuhause nennen“

 

Der zweite Teil der Ausstellung steht im Zeichen des Schenkens. In typischen Holzkisten, die in Südtirol für das Obst verwendet werden, warten Hunderte von Geschenken auf die Besucher. Die Gaben, die in Apfelpapier verpackt sind, wurden von ebenso vielen Südtirolern ausgesucht und werden von sehr persönlichen Tipps und Vorschlägen begleitet: ein Buschenschank, in dem man unbedingt einkehren, eine Kellerei, die man besichtigen, oder ein Gipfel, den man besteigen sollte. Jeder Besucher kann eines dieser Objekte mit nach Hause nehmen – quasi als Geschenk eines Landes, das sich auf suggestive und unkonventionelle Weise der Welt präsentieren möchte.

„Kunst generiert immer eine Reaktion: Sie löst eine Reflexion aus und erzeugt Emotionen”, sagen die Künstlerinnen. „Wir wollen eine Brücke zwischen Menschen und Orten bauen. Endziel unserer Reise ist Südtirol, das Land, das wir heute unser Zuhause nennen.”

Scheda

Die Künstlerinnen

 

Mit 24 Jahren wurde Malou Reedorf Mitglied der Danish Photographic Society. 2011 war sie die bis dato jüngste Fotografin, die den „dff-mMaster Photographer“-Titel erhielt, 2014 erreichte sie den „QEP“-Standard eines qualifizierten europäischen Fotografen, während sie ein Jahr später zur dänischen Fotografin des Jahres gekürt wurde. 2016 gewann sie den Golden Award und den ersten Preis in der Kategorie „Editorial” bei den Moscow International Photo Awards. 2017 verlieh ihr die Vereinigung der europäischen Profi-Fotografen die „European Fashion Silver Camera“, 2018 erreichte sie den zweiten Platz in der „Monochrome Photography Competition” der Gesellschaften der Hochzeits- und Porträtfotografen. Zudem sitzt Malou Reedorf in der Jury zahlreicher internationaler Fotowettbewerbe und ist Herausgeberin von zwei Magazinen: „Creative Photograpgy” und „Lifestyle Magazine”. Malou Reedorf hat zudem ein Biomedical Sciences Studium an der University of Southern Denmark abgeschlossen und einen Master in Innovation Management an der Universität Trient absolviert. Heute arbeitet die Fotografin und Make-up-Artistin im NOI Techpark im Bereich Talent Attraction Management. Eines der Lieblingsprojekte von Malou Reedorf nennt sich „Portrait of a soul“. In diesem Rahmen sind 20 Porträts von ebenso vielen Frauen entstanden, die das Publikum mit ihren magischen Blicken anziehen, sich aber nur jenen Betrachtern wirklich offenbaren, die über das Äußere hinwegsehen.

 

Tarin Gartner ist eine zeitgenössische Künstlerin, die sich in Italien und im Ausland einen Namen gemacht hat. In Jerusalem geboren, hat sie zunächst ein Studium an der Brera Academy of Fine Arts in Mailand und anschließend einen Master in Artistic Management an der Università Cattolica del Sacro Cuore, einen Master in Fashion Exhibit Design an der European Fashion School und einen Bachelor in Fine Arts and Literature an der Universität von Haifa abgeschlossen. Tarin Gartner hat sich an zahlreichen Ausstellungen in Italien und im Ausland beteiligt, insbesondere in London, New York, Haifa und Tel Aviv. Außerdem war sie Professorin für Hebräisch an der ULPAN School für Hebräische Sprache und an der Jewish School Foundation in Mailand. Heute kooperiert Tarin Gartner mit der PR-Agentur Press Way. Zu ihren bekanntesten Projekten zählen die Video-Dokumentation „Solo qui e sulla luna“, mit der sie anhand der Erfahrungen zweier italienischer Journalisten das Leben im Nahen Osten beschreibt, und „Tarin meets Gartner“, ein Versuch, die Geheimnisse der Persönlichkeit zu enträtseln. In Südtirol hat Tarin Gartner im Auftrag der Meraner Kurverwaltung den Fahrradkorb „Nest“ entwickelt. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem guineischen Schneider Sidi Diallo realisiert, der in Meran lebt.