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7 Juli 2017IDM

Problemlöser und all-in-one-Partner: Der Metall- und Maschinenbauer Weico

„Bei uns klopfen sehr viele Kunden an, leider können wir nicht alle Aufträge annehmen.“ Lapidarer als Helmut Gschliesser kann man den Erfolg eines Unternehmens nicht beschreiben. Gschliesser ist Produktionsleiter bei Weico, einem Unternehmen, das sich von einem Ein-Mann-Betrieb zu einem Maschinen- und Metallbauspezialisten mit 50 Mitarbeitern entwickelt hat – in gerade einmal 20 Jahren.

Wenn Christof Weissteiner, Firmengründer und Geschäftsführer von Weico, vom rasanten Aufstieg seines Betriebs erzählt, dann klingt es, als könne er es oft selbst nicht glauben. Er habe sich, erinnert sich der gelernte Maschinenbauer, 1997 selbstständig gemacht – ganz allein im Stall des elterlichen Hofes. „Schon bald hatte ich einen interessanten Kunden, nach einem Jahr konnte ich mir schon die notwendige CNC-Maschine anschaffen und im zweiten Jahr auch einen ersten Mitarbeiter einstellen“, so der Self-Made-Man aus Feldthurns.

Nicht einmal fünf Jahre nach der Firmengründung war das Unternehmen längst aus dem Stall herausgewachsen, die Gemeinde weist Weico deshalb eine Fläche im Gewerbegebiet von Feldthurns zu. „Es war eine Halle mit 1200 Quadratmetern Fläche und ich dachte damals: Das passt jetzt für eine lange, lange Zeit“, grinst Weissteiner, denn schon ein Jahrzehnt später übersiedelt er mit seinen damals 18 Mitarbeitern in den Talboden. Dort, am Südende von Brixen aber immer noch auf Feldthurner Gemeindegebiet steht heute der Weico-Sitz – und es wird niemanden wundern, wenn wir sagen: er platzt schon wieder aus allen Nähten…

Metallbau, Maschinenbau und… ja genau… Brückensanierung

Ein Erfolgsrezept für das rasante Wachstum seines Unternehmens kann (oder will) Weissteiner nicht nennen, Fakt ist aber, dass das Unternehmen mittlerweile nicht mehr „nur“ im Maschinenbau Fuß gefasst hat, sondern auch im Metallbau und – man höre und staune – in der Brückeninspektion und -sanierung. Dieser Betriebszweig wurde durch den Zusammenschluss mit der Firma von Weissteiners Bruder Hubert in die Weico integriert, die heute nicht nur auf Lastwagen montierte Untersichtgeräte verleiht, sondern auch gänzlich neue Kontroll-Instrumentarien entwickelt. Während der Zugang zu Autobahnbrücken nämlich kein Problem ist (man stellt den Lkw einfach darauf ab), ist es bei Eisenbahnbrücken schon wesentlich schwieriger.

Damit Brücken sicher sind (und bleiben), liefert Weico nicht nur das notwendige schwere Gerät, sondern auch neue, effiziente Lösungen für Sanierungsarbeiten.

Weissteiner erinnert sich an die Sanierung einer Brücke an einer Bahnstrecke bei Alessandria. „Die Strecke war nur eingleisig, hätte man da einen Eisenbahnwaggon abgestellt, von dem man ein Untersichtgerät unter die Brücke fährt, wäre der Zugverkehr auf der Strecke wochenlang stillgestanden“, so der Weico-Geschäftsführer. Also habe man an der Brücke selbst seitlich Schienen montiert, auf denen sich das Untersichtgerät selbständig bewegen kann. „Das von uns konstruierte Gerät musste mit dem Waggon nur zur Brücke gefahren werden, dort hat man es in die Schienen eingespannt und der Waggon konnte wieder weggebracht werden“, erzählt Weissteiner. Statt einer wochenlangen Sperre der Strecke sei man so mit ein paar Stunden ausgekommen, die Brücke wurde bei laufendem Betrieb saniert.

„Viele kommen nicht mit der Lösung zu uns, sondern nur mit einem Problem“

Weissteiner sagt zwar, Geheimnis des Erfolgs gebe es keines, man komme aber Aufträgen stets gewissenhaft nach, stehe auf unterschiedlichen Beinen und traue sich auch, neue Aufträge mit vielen Unbekannten anzunehmen („Wir wissen am Anfang oft selbst nicht so genau, wie wir einen Auftrag schaffen sollen.“). Die Alessandria-Geschichte zeigt aber, wie man bei Weico tickt. Und diese Unternehmensphilosophie ist es auch, die – von außen betrachtet – einen wohl ganz wesentlichen Teil des Erfolgsrezeptes ausmacht: bei Weico denkt man nicht nur mit, sondern voraus, nimmt dem Kunden die Suche nach Lösungen ab und bietet selbst welche. Oder wie Helmut Gschliesser sagt: „Viele Kunden kommen nicht mit einer Lösung zu uns, sondern nur mit einem Problem.“

Dies ist vor allem in der Maschinenbausparte der Fall, in der zwar auch Auftragsfertigungen angenommen werden, der Schwerpunkt aber auf maßgeschneiderten Sonderanfertigungen zur Verbesserung und Automatisierung bestehender Produktionsabläufe liegt. „Wir analysieren das Problem, arbeiten ein Konzept aus, erstellen alle Pläne, produzieren die notwendigen Teile, zertifizieren diese und montieren die Maschine“, so Produktionsleiter Gschliesser. Weico sieht sich also nicht nur als Problemlöser, sondern liefert auch alles aus einer Hand.

Die Analyse des Problems, das Finden einer Lösung, Konzept, Pläne, die Produktion aller Teile, Zertifizierung und Montage: alles trägt hier die Marke Weico.

Von Porsche bis Rolex: Große Marken im Portfolio

Mit dieser lösungsorientierten all-in-one-Philosophie hat sich Weico vor allem im Maschinenbausektor zu einem gefragten Partner weit über  Südtirols Grenzen hinaus entwickelt. Vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Südtiroler Unternehmen präsent und hat auch große Marken im Portfolio. So schlägt ein Weico-Herz in Prüfständen vieler großer Autohersteller (u.a. Porsche, Audi, VW, Volvo) und auch den Nobeluhrenhersteller Rolex hat man bereits beliefert. Für Südtiroler Traditionsbetriebe baut Weico außerdem Förderbänder und Automationssysteme.

Große Namen sind indes nicht die einzigen, für die Weico zur Stelle ist. „Wir sind flexibel“, ist einer der Erfolgsfaktoren, die Geschäftsführer Weissteiner nennt. Diese Flexibilität lässt sich auch an den Produkten ablesen, die die Halle verlassen. Die Palette reicht von Fassadenverglasungen über ganze Produktions-Automatisierungssysteme und Roboterteile bis hin zur Teigtaschenmaschine. Und auf dem Weg durch die Werkshalle zeigt uns Helmut Gschliesser Spezialteile, die in der Metallbausparte gefertigt werden: Stahlsockel für Möbel. Auch hier kümmert man sich also um alles: von Teilen für die Möblierung eines Einfamilienhauses bis zu den Fassaden für Mehrfamilienhäuser, Firmen und öffentliche Gebäude.

Hier geht das Baugewerbe in all seinen Größen ein und aus: von Tischlern, die Metallteile für Möbel brauchen, bis zu Baufirmen, die großen Mehrfamilienhäusern und Firmen neue Fassaden verpassen.

Weico als Partner für Tischler und Architekten

Überhaupt sind die primären Partner der Metallbausparte von Weico im Baugewerbe zu finden. Rund 80 Prozent aller Aufträge stammen aus diesem Sektor, wobei man klein – und Weico-typisch – angefangen hat. „Als wir unseren ersten Sitz in Feldthurns gebaut haben, habe ich viel selber gemacht und so Erfahrung in diesem Bereich gesammelt“, erzählt  Weissteiner, der sein Maschinenbau-Wissen also auch auf diese Sparte ausgedehnt und so ein weiteres Standbein für seine Firma geschaffen hat.

„Wachstum“ scheint überhaupt das Zauberwort bei Weico zu sein. Kein Wunder also, dass – wie bereits anfangs erwähnt – das gerade einmal fünf Jahre alte Werksgebäude zu klein geworden ist. Auf der Suche nach Kapazitäten ist man in Klausen fündig geworden, wo man demnächst ein weiteres Werksgebäude bezieht. Dorthin wird die Montage ausgelagert, für die mitunter auch schon kurzfristig Hallen angemietet werden mussten. „Wir haben zum Beispiel für eine deutsche Firma ein automatisches Zuschnittzentrum entwickelt, das vom Kunden vor der Endmontage abgenommen worden ist“, erzählt Gschliesser. Das hieß: Die ganze Anlage musste in einer angemieteten Halle aufgebaut und nach der Abnahme durch den Kunden wieder in Baugruppen zerlegt, nach Deutschland gebracht und erneut montiert werden. Kundenansprüche, eben…

Investition in den Maschinenbauer-Nachwuchs

Dem Wachstum der Feldthurner Maschinenbauer scheinen damit keine Grenzen gesetzt. „Doch“, sagt Produktionsleiter Gschliesser. Wie alle technischen Betrieben hat auch Weico Schwierigkeiten, genügend qualifizierte Facharbeiter zu akquirieren. „Und auch gute Programmierer sind in unserem Bereich selten, obwohl wir diese Sparte gerne ins Haus holen würden“, so Gschliesser. In Sachen Maschinenbau investiert Weico deshalb in den Nachwuchs: Derzeit werden im Betrieb nicht weniger als sechs Lehrlinge ausgebildet, dazu arbeiten hier vier Sommerpraktikanten.

Die Betonung liegt in diesem Fall auf zwei Begriffen: „Ausbildung“ und „Investition“. „Bei uns gibt es keine Fließbandarbeit, jeder muss hier selbst mitdenken und Verantwortung übernehmen“, sagt Gschliesser. Die jungen Mitarbeiter werden deshalb solide ausgebildet, was wiederum eine Investition für den Betrieb darstellt: „Wir begleiten einen Lehrling vier, fünf Jahre lang, bis er selbstständig Projekte übernehmen kann“, so der Produktionsleiter. In dieser Zeit fließt einiges an Ressourcen in den Lehrling. „Wir hoffen natürlich, dass er uns – einmal ausgebildet – auch erhalten bleibt“, so Gschliesser. Denn nur so könne die Firma auch weiter wachsen.

Die Ausbildung des Facharbeiter-Nachwuchses ist Weico ein großes Anliegen: auch im eigenen Interesse.

Und was bringt die Zukunft?

Trotz der schwierigen Fachkräfte-Akquise expandiert man bei Weico also weiter, wohin die Reise aber in den nächsten zehn Jahren geht, kann Geschäftsführer Weissteiner heute noch nicht sagen. „Wir machen immer weiter, wir sind flexibel und schauen uns auch stets nach neuen Geschäftsfeldern um“, erklärt er. Wenn man neue Bereiche angehe, zahle man zwar anfangs Lehrgeld, letztendlich nehme man aber immer wichtige Erfahrungen mit – und so wolle man es auch in Zukunft halten.

Fact Sheet

Weico in Zahlen

6                      Lehrlinge bildet Weico derzeit aus. Das Ausbildungsprogramm ist notwendig, um genügend Facharbeiter zu haben.

20                    Jahre alt wird Weico in diesem Jahr. 1997 hatte Christof Weissteiner das Unternehmen als Ein-Mann-Betrieb aus der Taufe gehoben.

50                    Mitarbeiter beschäftigt Weico derzeit, noch vor fünf Jahren war man mit 18 in den neuen Betriebssitz übersiedelt.

2012                hat Weico den neuen Betriebssitz im Gewerbegebiet Ziggler südlich von Brixen bezogen. Er platzt heute schon wieder aus allen Nähten.

8.000.000        Euro Jahresumsatz erwirtschaftet Weico, davon stammen rund zwei Drittel aus der Maschinenbausparte, ein Drittel teilen sich Metallbau und Brückensanierung.