Infrastruktur

12 April 2017IDM

Alles NOI in Südtirol

Gläserne Würfel umschließen Start-Ups, Labore und Technologieunternehmen, Theater und Restaurants wie Vitrinen. Noch ist der NOI Techpark eine riesige Baustelle, aber schon im Oktober dieses Jahres wird er fertiggestellt. Ein italienweit einmaliger Wissenschafts- und Technologiepark, welcher derzeit auf einem ehemaligen Bozner Industriegelände entsteht.

Das Konzept des Technologieparks heißt NOI und steht für Nature of Innovation, gleichzeitig heißt es auch „WIR“ im Italienischen sowie „neu“ im Südtiroler Dialekt. Ein Technologiepark, der nachhaltig und lebendig sein wird: stehend für die Symbiose aus Stadt und Natur, pulsierend und lebendig. Ein Platz für den Austausch von Erfahrungen, auf wirtschaftlicher wie auch kultureller Ebene. Mit dem NOI Techpark soll dem historischen Teil der Südtiroler Industriegeschichte neues Leben eingehaucht werden. Eine Region, die von Natur aus Bindeglied zwischen Nord- und Südeuropa ist, zwischen deutscher und italienischer Kultur. Der Techpark ist eine enorme öffentliche Investition von über 100 Millionen Euro, dazu kommen weitere 200 Millionen Euro privater Investoren: Unternehmen stehen bereits Schlange, um diese Innovations-, Forschungs- und Dienstleistungsplattform als Sprungbrett zum Erfolg zu nutzen. Ein Modell, das sich grundsätzlich von den sogenannten “Kathedralen in der Wüste” unterscheidet, die bisher die Geschichte anderer Technologieparks geprägt haben.

Durch den NOI hat uns Ulrich Stofner geführt, Leiter der BLS (Business Location Südtirol), die als Bauherr und Verwalter des Technologieparks fungiert. Mit ihm wurde schließlich der Mann an die Spitze des Sektors für Innovation und Entwicklung berufen, der gerade dabei ist, die Vision von wirtschaftlicher Entwicklung in einen konkreten Ort des Ideenaustauschs zu verwandeln.

Ein schwarzer Monolith als Signal für das Zusammentreffen von Vergangenheit und Zukunft

„Hier treffen Vergangenheit und Zukunft aufeinander“, erklärt Stofner vor dem Eingang des Black Monolite, Zentralgebäude des Techparks und Symbol für das stetige Streben nach Innovation, dem Kernkonzept des gesamten Projekts. Die Oberfläche des Baus wird mit dunklen Solarzellen und Aluminiumschaumplatten bedeckt werden, ein high-tech, lightweight Baustoff, der sich bereits auf dem Weg aus Kanada befindet. „Dieser Komplex war zum Zeitpunkt seiner Eröffnung im Jahre 1937 die größte Aluminiumfabrik Italiens. Es handelt sich hierbei um ein hervorragendes Beispiel rationalistischer Architektur. Im NOI Techpark wird das Bauwerk – heute steht es unter Denkmalschutz – mit modernen Elementen verbunden, sowie etwa dem horizontalen Monolithen, welcher passenderweise mit Aluminium überzogen ist und eine leichte Neigung aufweist. Diese soll die Evolution des Menschen und seine allmähliche Entwicklung hin zum aufrechten Gang symbolisieren. Vor dem Eingang ragt ein Wasserturm empor. Dank der Kunstbiennale Manifesta im Jahre 2008 ist dieser heute ein modernes Kunstobjekt“, erinnert Stofner. Geschichte, Technologie, Kultur, Kreativität – ein Raum der Begegnung. Genau das wird der NOI Techpark sein.

Die drei Säulen des NOI Techparks

„Der NOI Techpark steht für das Streben Südtirols, Innovation und Forschung zu fördern und das Zusammenspiel voranzutreiben. In dem Technologiepark, welcher durch die IDM Südtirol koordiniert wird, kommen die drei wichtigsten Akteure unseres Wirtschaftsstandortes zusammen: Forschungsinstitute, die Universität und innovative Unternehmen. Nur durch ihr Zusammenwirken können Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in Südtirol schließlich noch gesteigert werden – und genau das ist es, wonach unsere Region unentwegt strebt“. Eine Leadership im Bereich der innovativen Technologien soll aber nicht auf Kosten der Natur erreicht werden. Der Einklang von Natur und Mensch steht seit jeher im Zentrum der Politik des Landes. „Der Bezug zur Natur ist eine Konstante, bei allem, was wir anpacken“ unterstreicht Stofner. „Südtirol will Innovation nach dem Beispiel der Natur. Und die ist ohne Zweifel ein Erfolgsmodell. Außerdem ist es schließlich genau dieser Ansatz, der uns von anderen Technologieparks unterscheidet“.

Eine Attraktion für die ganze Stadt

Ab Oktober 2017 wird der NOI Techpark sieben Forschungsinstitute, 20 Labors und 30 Start-Up-Unternehmen beherbergen. Ab 2018 wird dann noch ein zusätzliches Modul gebaut, auf dem weitere 20 Unternehmen angesiedelt werden können. Mit dem Zufluss von Geldern privater Investoren wird das Areal in den nächsten fünf Jahren Stück für Stück weiter bebaut zum wahren „Innovation District“, voll und ganz integriert und im regen Austausch mit dem Rest der Provinz.

Restaurant und Park sollen ein attraktiver Treffpunkt für die gesamte Bozner Gesellschaft werden. Die Einwohner der Landeshauptstadt zeigen sich nicht nur in Sachen Technologie innovationsfreudig, sondern auch noch in vielen anderen Bereichen“. Daher soll der NOI auch im Hinblick auf eine Reihe von möglichen kulturellen Veranstaltungen ein Ort der Begegnung werden. Kultur- und Freizeitevents könnten in den eigens dafür vorgesehenen Außenflächen stattfinden: Ein Freilichttheater für Abendveranstaltungen, Events der Start-Ups und angesiedelten Unternehmen. Zudem gibt es ein Veranstaltungszentrum bestehend aus vier Sälen, die bei Bedarf auch zusammengelegt werden können. Außerdem wird es im Inneren des Komplexes, verteilt zwischen den einzelnen Büros, Meeting Areas und mit Glas überdachte Grünbereiche geben.

Unternehmen, Labore, Start-Ups

Vom ersten Stockwerk des Gebäudes kann man durch eine riesige Glaswand auf die Rückseite des Technologieparks blicken. Dort wird ab dem 1. Mai das erste Erweiterungsmodul entstehen. Hier werden die Unternehmen angesiedelt, die sich für den NOI Techpark als ihr zukünftigen Zuhause entschieden haben: Unter ihnen die Maccaferri-Gruppe aus Bologna oder etwa die Senfter Holding AG aus Südtirol. Die Liste der Kandidaten ist lang und auch eine Reihe internationaler Unternehmen nimmt an dem Auswahlverfahren Teil. „In diesem Modul findet auch ein international einzigartiges Klimalabor Platz. Dieses Spitzenlabor, in dem extreme klimatische Bedingungen simuliert werden können, wird ein Top-Attraktionspunkt für Unternehmen aus der ganzen Welt“. Genau hier liegt die Herausforderung für Südtirol: Sich auf internationaler Ebene zu messen und etwas Außergewöhnliches bieten zu können, nicht nur im Hinblick auf landschaftliche Vorzüge, kulinarische Köstlichkeiten und seine unberührte Natur.

Der wahre Schatz des NOI Techparks wird jedoch an dem Ort zu finden sein, an dem die Start-Ups angesiedelt sind. Stofner bezeichnet diesen bereits jetzt als das schönste Gründerzentrum Italiens. „Die Inkubation erfolgt in gläsernen Würfeln: Die ursprüngliche Architektur des Baus verschmilzt mit modernen Elementen – gläserne Schmuckschatullen, eine für jedes Start-up“. 30 dieser Würfel gibt es im NOI in unterschiedlichen Größen. Beherbergen werden diese die Start-Up-Unternehmen, die bereits innerhalb des IDM Business Incubator gefördert werden: Wahre Juwelen wie Thimus oder Mavtech, Datatellers oder Alpitronic, junge Unternehmen, die entschieden haben, nach Südtirol zu kommen, um hier zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Zudem können die Start-ups hier von der weitaus einfacheren Bürokratie und einem leichteren Zugang zum deutschen oder italienischen Markt profitieren. Zusammen mit den angesiedelten Unternehmen sind die Start-ups die wichtigste Komponente in dieser neuen „Nature of Innovation“. Das Rückgrat des Techparks bilden jedoch die 20 Labors. Auf dieses entscheidende Element ist das gesamte Projekt ausgerichtet.

High-Level-Forschung, der Maßstab des Erfolgs

„Der Erfolg des NOI wird sich daran messen lassen, ob er es schafft, Spitzenforschung auf höchstem Niveau nach Südtirol zu bringen, konzentriert an einem einzigen Ort“, resümiert Stofner. „Das ist das wahre Ziel dieses Großprojektes. Wir haben bereits erstklassige Forschungseinrichtungen in der Provinz wie Eurac, die Freie Universität Bozen und Laimburg. Und dann sind da auch noch Ecoresearch und Fraunhofer, die auf angewandte Forschung spezialisiert sind. Wir wollen es diesen Einrichtungen ermöglichen, hier bei uns Forschung der Spitzenklasse zu betreiben“. Das gewünschte Resultat dieser Strategie: Ein exponentieller Anstieg von Innovation in der ganzen Provinz. „Genau an diesem Punkt wird der Funke überspringen: Firmen, die auf der Suche nach innovativen Lösungen sind, werden beginnen, sich dafür zu interessieren, was im NOI Techpark passiert. Denn genau hier finden sie das, was sie brauchen. Der NOI Techpark wird eine Attraktion für die Besten, eine Art Innovationsmagnet direkt im Herzen der Provinz. Wenn der Funke erst einmal gezündet ist, wird sich Innovation hier in Südtirol zu einem autodynamischen Prozess entwickeln“. Top, die Wette gilt.

Fact Sheet

Zahlen

Der NOI Techpark wird im Oktober 2017 eröffnet, mit 7 Forschungseinrichtungen, 20 Labors, und 40 Start-ups. Das Areal erstreckt sich auf einen Raum von 190.00 Quadratmetern (es könnten aber bis zu 750.000 werden); 119 Millionen Euro Kosten; 40 Bewerberunternehmen (18 davon sind bereits verbindlich angemeldet); 21 Forschungslabore in den Schlüsseltechnologiefeldern Green, Alpine, Food und Automation. Genutzt werden können diese sowohl von den Forschungseinrichtungen als auch von den Unternehmen.

Die Forschungseinrichtungen

Auf dem neueren Teil des Ex-Alumix-Geländes werden die Forschungseinrichtungen Platz finden: Die Freie Universität Bozen, Eurac, Fraunhofer und die Klimahausagentur, das Land- und forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg, eine Einheit der Eco-Research und der Bereich Inkubator der IDM. Dazu kommen die Start-ups und Technologieunternehmen, die bereits in Südtirol angesiedelt sind.

Die Geschichte 

Der NOI Techpark entsteht im Stadtteil Bozen Süd, wo im Jahre 1937 das Metallindustriewerk Montecatini angesiedelt wurde, seit den 90er Jahren bekannt unter dem Namen „Alumix“. Ein zentraler Schauplatz Südtiroler Industriegeschichte, der auch an die Ära des italienischen Faschismus erinnert. Damals wollte Benito Mussolini die Industrialisierung der Provinz erzwingen und große Massen an Arbeitskräften nach Südtirol bringen lassen.

Zwischen 1937 und 1940 fielen große Flächen der im südlichen Teil der Landeshauptstadt gelegenen Obstgärten dem Bau dieses riesigen Industriekomplexes zum Opfer. Während des zweiten Weltkrieges produzierte das Werk mit 1.700 Angestellten circa zwei Drittel des in Italien hergestellten Aluminiums. Das Schmelzen dieses Metalls, ein extrem energieaufwendiger Prozess, wurde mit zwei Transformatoren bewerkstelligt, die mit Strom aus umliegenden Elektrizitätswerken versorgt wurden.

Die beiden Kopfgebäude “Bolzano 1” und “Bolzano 2”, die ehemaligen Transformatorenhallen, sind eindrucksvolle Beispiele des rationalistischen Baustils der 30er Jahre und stehen heute unter Denkmalschutz. “Bolzano 1” wurde 2008 im Zusammenhang mit der Kunstbiennale Manifesta 7 restauriert und ist seither mehr als einmal Austragungsort kultureller Veranstaltungen gewesen.