Food

18 März 2017IDM

Aus Liebe zum Guten, zur Natur und… zum Fußball: Ein Jahrhundert Innovation made by Loacker

Eigentlich wollte Alfons Loacker nur eines: bei Rapid Bozen Fußball spielen. Weil das aber mit seinem Job nicht vereinbar war, schuf er kurzerhand einen der mittlerweile bekanntesten Betriebe Südtirols: den Waffelhersteller Loacker. Heute regieren hier Qualität und Innovation – und selbstverständlich „die besten Nüsse der Welt“.

Es gibt Markennamen, die so bekannt sind, dass sie einer ganzen Produktkategorie ihren Namen geben: „Tempo“ ist wohl das bekanntestes Beispiel, „Nivea“ ein zweites. In Italien gibt es ein ganz anderes. Fragt man hier jemanden, wie man hauchzarte, mit Schokocreme (oder Vanille- oder Joghurtcreme) gefüllte Waffeln nennt, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschaffen: „Ach, Du meinst die Loacker…“ Egal also, welche Marke die Waffeln tragen – die Konsumenten kaufen „die Loacker“. Und so kommt die Marke Loacker in Italien auf einen Bekanntheitsgrad von sagenhaften 97 Prozent.

Loacker steht also für Waffeln, Loacker ist eine Marke, Loacker ist ein Unternehmen, das auf fast 1000 Metern Meereshöhen mitten in den Südtiroler Bergen produziert, Loacker ist aber nicht zuletzt auch der Name der Gründerfamilie, die das Unternehmen heute in der dritten Generation führt. Und obwohl die Marke fast jeder kennt, weiß kaum jemand, dass sie nicht nur aus Liebe zum Süßen entstanden ist, sondern auch aus Liebe zum – ja, richtig! – Fußball.

Die Geschichte von Loacker ist jene ihres Gründers Alfons Loacker, Jahrgang 1901. Als 15-Jähriger arbeitet er in der Konditorei Rizzi in Bozen, begeistert zwar, aber immerhin 72 Stunden in der Woche, die meisten davon nachts. Die Nachtarbeit ist es auch, die dem jungen Loacker zu schaffen macht. Nicht, weil’s zu anstrengend wäre, sondern weil es sich kaum mit seiner zweiten großen Leidenschaft vereinbaren lässt: Er spielt beim Bozner Aushängeclub Rapid Fußball, kommt nach der Nachtschicht am Ofen aber völlig ausgepumpt zu Training und Spielen. Abhilfe, so denkt sich Loacker, könne man nur schaffen, wenn man imstande wäre, Süßwaren herzustellen, die haltbar sind – ohne allerdings auf die gewohnte Qualität zu verzichten. Dann könnte man „normale“ Arbeitsrhythmen einhalten und auch für den Fußball bliebe genügend Zeit.

Gut, elegant, funktionell: In der Waffel liegt Loackers Erfolgsgeheimnis

1925 kommen die ersten Waffeln auf den Markt, 1960 folgt der Sprung über die Südtiroler Landesgrenzen

Die Lösung für sein Konditorei-Fußball-Vereinbarkeitsproblem findet Alfons Loacker in der Waffel. Und damit auch den Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg. 1925 eröffnet Alfons seine erste kleine Konditorei, die Waffeln sind ihr Aushängeschild. Damit sich das in Bozen auch herumspricht, greift Loacker auf eine ebenso einfache wie effiziente Marketingstrategie zurück – und auch hier ist es der Fußball, der hilft. Der junge Konditor beauftragt seine Mannschaftskollegen von Rapid Bozen, in allen Geschäften nach „den Loacker“ zu fragen und so den Markennamen zu streuen. Zudem steckt Loacker viel Zeit und Geld in eine Verpackung seines Produkts, die nicht nur Qualität garantiert, sondern auch bequem, funktionell und elegant ist. Damit ist der Grundstein für die explosionsartig steigende Nachfrage nach „den Loacker“ gelegt.

Ende der 1950er-Jahre steigt Alfons‘ ältester Sohn Armin in den Familienbetrieb ein und gibt diesem ein neues Gepräge. Er ist es, der den Sprung über die Landesgrenzen anregt und Loacker-Waffeln in ganz Italien platziert. Er ist es außerdem, der zehn Jahre später vorschlägt, mit der Produktion auf den Ritten auszuweichen. „Als Armin zum ersten Mal geäußert hat, dass er ein Werk in Unterinn errichten möchte, haben sich die allermeisten zuerst nur ungläubig die Augen gerieben“, erzählt Hanspeter Dejakum, heute Marketingdirektor bei Loacker. „Die bequeme Logistik der Stadt verlassen, um sich auf 1000 Metern Meereshöhe anzusiedeln, und zwar dort, wohin eine gerade fertiggestellte Straße voller Kehren führt…“

Dejakum erinnert sich aber nicht nur an die Bedenken, sondern auch an die Begründung, die Loacker für die Übersiedlung liefert: „Wir stellen nicht nur Gutes, nein: das Beste her, sondern müssen dies auch am besten Platz tun – ganz egal, wie schwer es auch sein mag.“ Der Stadt Bozen wird deshalb ebenso Lebewohl gesagt wie dem Projekt, sich im Gewerbegebiet Bozen Süd anzusiedeln. Nach dem Tod von Firmengründer Alfons verlegt man Sitz und Produktion dorthin, wo man Loacker auch heute noch findet: nach Unterinn, inmitten von Wiesen, den Schlern majestätisch im Hintergrund.

Der neue Sitz steht demnach auch sinnbildlich für das, was Loacker ausmacht: für den Sinn fürs Gute und den Respekt vor der Umwelt. „Diese beiden Konzepte sind für uns zwei Seiten derselben Medaille: wir können höchste Qualität produzieren gerade weil wir in engem Kontakt mit der Natur arbeiten – auch wenn wir dafür manchmal Schwierigkeiten in Kauf nehmen müssen, wie etwa jene, eben nicht in einem perfekt erschlossenen großen Gewerbegebiet zu produzieren“, so Dejakum.

Zwerge, Berge, Südtirol: In den 1980ern erobert ein ganz besonderer Spot Italiens Haushalte im Sturm

Ein Werbekonzept, ein Jingle, ein Spot – und schon gehören die Loacker-Zwerge zum kollektiven Bild vom Italien der 1980er Jahre.

Ein Marketingcoup sorgt in den 1980ern dafür, dass Loacker Gesprächs- oder besser: Gesangsthema in ganz Italien wird. Inspiriert von den Sagen der Südtiroler Bergwelt, besonders jener von König Laurin, erobern die Loacker-Werbezwerge Italiens Haushalte im Sturm, der zugehörige Jingle wird zum Ohrwurm. Vor allem die Kleinen lieben die putzigen Zwerge von Anfang an und gerade sie sind es, die Loacker im Auge hat: Kinder, die sich nach dem Genuss der mit Schokolade überzogenen Gardena-Waffeln die Schokofinger lecken. Hat es deswegen denn nie Proteste von Seiten der Schokoflecken-geplagten Mütter gegeben? „Nein, im Gegenteil: Wir sind ganz froh darüber, dass unsere Schokolade ein bisschen an den Fingern kleben bleibt, denn das ist eine Folge unserer Entscheidung, keine gehärteten Fette zu verwenden“, so Dejakum.

Die Tatsache, dass Loacker zum Aufwachsen in Italien ganz offensichtlich dazu gehört, ist indes kein Grund, sich auszuruhen. „Wir diversifizieren unsere Produkte, wir testen neue Geschmacksrichtungen und verkleinern die Waffel: all das sind Entscheidungen, die Innovationsgeist verlangen und auch stetige Investitionen in die Produktion“, erklärt der Marketingchef. Und es verlangt viel, viel Offenheit für neue Wege, wie man sie etwa mit der Entscheidung beschreitet, selbst Nüsse anzubauen. Zwar stammen diese seit jeher zu 100 Prozent aus Italien, bald aber schon von der Loacker-eigenen Plantage in der Maremma, die 2016 angelegt worden ist: 25.000 Nussbäume auf einer Fläche von 200 Hektar. In rund sechs Jahren soll die Plantage Vollertrag liefern und dann rund ein Viertel des Nussbedarfs von Loacker decken.

Die Entscheidung, selbst Nüsse anzubauen, ist eine, die bestens in die Loacker-Strategie passt. Die sieht vor, möglichst die gesamte Produktionskette zu kontrollieren. „Deshalb setzen wir auch auf Nüsse aus Italien, die besten der Welt, und darauf, sie selbst zu rösten – jeden Tag“, erklärt Dejakum. Überhaupt produziert Loacker just in time, was heißt: „Es gibt bei uns nicht den Tag, an dem geröstet wird, den Tag, an dem die Creme hergestellt wird, und den Tag, an dem alle Komponenten zum Endprodukt zusammengefügt werden“, so Dejakum. Vielmehr würden alle diese Schritte dauernd nacheinander vollzogen: „Das ist zwar schwieriger, die Qualität durch die schnelle Verarbeitung des frischen Produkts ist aber durch nichts zu übertreffen.“

„,Made in Italy‘ gilt bei Lebensmitteln als Synonym für Exzellenz“

Frische, Streben nach Qualität, Innovation, Kontrolle der gesamten Kette: All dies zahlt sich aus. Nicht nur für den Konsumenten, sondern auch für das Unternehmen, das heute einen Umsatz von 308 Millionen Euro im Jahr erwirtschaftet. Und auch den Weg in die Zukunft hat man bereits eingeschlagen, etwa durch die Produktion von Schokolade (mit einer zarten Waffel in der Tafel, versteht sich) oder die Eröffnung eigener Moccaria-Lokale, in denen frische Süßspeisen hergestellt werden – aus denselben Zutaten wie die Loacker-Waffel.

Die perfekte Kombination aus deutschen und italienischen Werten.

Trotz aller Innovation ist man nach wie vor fest in Südtirol verwurzelt. „Es ist ein Vorteil, dass man uns im deutschsprachigen Raum als italienisches Produkt empfindet, weil ,made in Italy‘ bei Lebensmitteln als Synonym für Exzellenz gilt“, erklärt Dejakum. Darüber hinaus werde man in weiter entfernten Märkten – Asien, Australien, USA – nicht nur als Hersteller des besten food gesehen, sondern auch als jemand, der in Sachen Verpackungsdesign stets einen Schritt voraus sei. „Zugleich freut es uns natürlich auch, dass wir in Italien kulturell dem deutschen Raum zugeschrieben werden – mit Werten wie Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Kompetenz“, so der Marketingleiter, der ergänzt: „Genau dieser Mix macht Südtirol aus. Es ist also vielleicht kein Zufall, dass Loacker genau hier entstanden ist…“

Fact Sheet

Loacker in Zahlen

1925    In Bozen entsteht die erste Konditorei von Alfons Loacker.

1969    Armin Loacker ersteht den ersten vollautomatischen Ofen für die Waffelherstellung: Die Produktion steigt um 500 Prozent.

1974    Das Unternehmen übersiedelt nach Unterinn auf den Ritten.

1999    Das Werk im österreichischen Heinfels wird eröffnet.

35.260 Tonnen oder 850 Millionen Stück Loacker-Waffeln werden Jahr für Jahr verkauft, 30 Prozent davon in Italien, der Rest weltweit – von Saudi Arabien, die Arabischen Emirate, Ägypten und Kuwait über Südkorea, China, Israel und die USA bis nach Australien.

2 Werke produzieren derzeit Loacker-Waffeln: jenes in Unterinn und jenes in Heinfels.

308,4 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet Loacker jährlich.

5 Kilo Nüsse stündlich werden von Loacker geröstet, um die Creme herstellen zu können, mit denen die Waffeln bestrichen werden.