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5 Februar 2017Ina Lutterbüse

Industrielle Revolution, die IV.

Die Begriffe Industrie 4.0, IoT und Smart Factory schwirren seit einiger Zeit im digitalen Raum umher, insbesondere auf Twitter kann man ihnen nicht entkommen: Die jeweiligen Hashtags (#industrie40, #iot und #smartfactory) liefern tausende Treffer.

Doch was bedeutet “4.0” überhaupt?

Durch den Einsatz von intelligenten, selbstlernenden Technologien können jegliche Produktionsprozesse immer weiter optimiert werden, so dass Kosten, Ressourcen und Zeit gespart werden können.

Die erste Industrielle Revolution, sozusagen 1.0, fand um 1780 statt, als durch den Einsatz von Wasser- und Dampfkraft erstmalig Maschinen betrieben wurden. Etwa 100 Jahre später folgte mit dem Einsatz von elektrischer Energie zum Betreiben der Maschinen die zweite Industrielle Revolution. Die dritte, die Digitale Revolution, startete in den Siebzigern, als erstmals Mikrochips zur Steuerung von Maschinen eingesetzt wurden. Nun stehen wir vor der vierten, in der diese Chips nämlich nicht nur programmierbar, sondern auch intelligent werden, Daten speichern und Prozesse wie ein Mensch erlernen und sich darüber mit anderen Chips in anderen Maschinen austauschen können.

Womit wir auch schon bei den zwei weiteren, eingangs erwähnten Buzzwords wären. IoT, das Internet of Things bezeichnet Maschinen, die durch Mirkochips miteinander vernetzt sind und kommunizieren bzw. Daten austauschen können. Handelt es sich hierbei um Maschinen in einem Produktionsprozess in einer Fabrik, wird diese somit zur intelligenten, nahezu autonomen Smart Factory.

 

Intelligente Maschinen – ist das nicht gefährlich?

Seit die Welt über AI, also künstliche Intelligenz, spricht, gibt es Befürworter und Vorantreiber – und Gegner. Letztere malen immer wieder düstere Szenarien auf, in denen “böse” Maschinen die Weltherrschaft übernehmen und die Menschheit ausrotten. Auch der ein oder andere Hollywood-Film beschäftigt sich mit der Gefahr von zum Leben erweckten, intelligenten Maschinen. In der Realität sehen diese aber (bisher) ganz anders aus.

Daten sind die Währung der Industrie 4.0 – und müssen geschützt werden

 

Im Gegensatz zu den eher fiktiv anmutenden Schwarzmalereien zu “bösen” AI-Maschinen, ist eine Bedrohung durch die immer weitere Verbreitung von vernetzten, intelligenten Geräten aber sehr real: Die Gefahr, dass diese gehackt und manipuliert werden. IoT-Geräte sammeln Millionen von Daten, die gegen den Eingriff von außen geschützt werden müssen.

“Mit unseren "Endian 4i" Security-Gateways sichern und verschlüsseln wir die Daten mittels unserer Virtual Private Network (VPN) und Firewall Technologie ab, sie wurden eigens für industrielle Umgebungen entwickelt und gehärtet”, erläutert Raphael Vallazza, CEO von Endian.

Sein Unternehmen wurde bereits vor 13 Jahren in Eppan, Südtirol gegründet. Seitdem bietet die Firma ihren Kunden leistungsstarke, benutzerfreundliche Datensicherheitssysteme an. Seit 2011 spezialisiert sich das Team aus Netzwerkspezialisten und Sicherheitsexperten mit seiner Endian 4i Edge Serie auf Internetsicherheit im Industriebereich.

Zu den Kunden zählen bereits namhafte Industrie-Unternehmen wie Liebherr im Maschinenbau oder Caterpillar in der Energieerzeugung.

“Das Bewusstsein dafür, dass Industrie 4.0 nur zusammen mit einer klaren Cybersecurity-Strategie funktioniert, ist stark gestiegen – vor allem nach den letzten Attacken auf Anlagen und im IoT-Bereich, über die ausführlich in den Medien berichtet wurde.” sagt Vallazza.Für seine Firma hat er bewusst den Standort Südtirol gewählt, denn er bietet die strategische Position als "Tor" zwischen Deutschland/Österreich und Italien.

“Die Kooperation mit dem IDM ist vor allem im Bereich der Forschung und Entwicklung sehr positiv, er konnte uns bereits bei mehreren Projekten unterstützen. Zusätzlich ist die Natur und die Lebensqualität, die Südtirol bietet, nicht zu unterschätzen.”

 

IoT in der Praxis

Mithilfe der HoloLens konnte bei thyssenkrupp die Wartungszeit pro Aufzug bereits drastisch reduziert werden.

Eine intelligente Technologie samt Gerät wurde in diesem Jahr von Microsoft vorgestellt: Die HoloLens-Brille. In Kombination mit anderen smarten Technologien, z.B. der Aufzugstechnologie von thyssenkrupp oder der Flugzeugswartungs-Technologie von Airbus ergeben sich spannende, neue Möglichkeiten des Einsatzes von IoT. Die HoloLens Brille wird von einem Menschen, z.B. einem Aufzugs-Monteur, der einen Fahrstuhl warten soll, getragen. Es handelt sich bei HoloLens nicht um eine VR-Brille, der Nutzer taucht also nicht in eine virtuelle Realität ein, sondern um eine AR-Brille, bei der der Nutzer weiterhin durch die Brille die tatsächliche Realität (in diesem Fall den Aufzug) sieht, ihm aber zusätzlich digital Informationen auf die Brillengläser projiziert werden (augmented reality). Unserem Aufzugs-Monteur kann so, während er im Fahrstuhl nach dem Fehler sucht, digital der komplette mechanische Aufbau dieses spezifischen Modells auf seine Brillengläser projiziert werden. Oder, anhand der zu diesem individuellen Fahrstuhl gespeicherten Daten, die Historie der häufigsten Probleme, wann die letzte Wartung war, was bei dieser festgestellt wurde usw.

 

Roboter und 3D-Drucker – die Mitarbeiter der Industrie 4.0

Anders als im Fall HoloLens geht mit der Industrie 4.0 oftmals das Überflüssigwerden des Menschen einher. Roboter bauen hochkomplizierte Maschinen präzise zusammen; 3D-Drucker fertigen Werkzeuge gleich ganz aus einem Guß, ohne dass noch etwas zusammengeschraubt werden muss. Dies erweist sich z.B. im All als äußerst praktisch: So muss die Crew der ISS nicht tausend Werkzeuge von der Erde mitschleppen, sondern kann sich vom Schraubenzieher bis zum Zwölfer-Maulschlüssel einfach alles aus winzigen Plastiktröpfchen in der Schwerelosigkeit drucken.

Und auch das trostlose, gefriergetrocknete Essen der Astronauten könnte durch 3D-Druck bald Geschichte sein: eine texanische Firma arbeitet bereits daran, langlebiges Pulver (Kohlenhydrate, Proteine und Geschmackstoffe) zu entwickeln, aus dem dann nahezu jegliche Lebensmittel individuell zusammengemixt und ausgedruckt werden können.

Bis die erste Pizza im All gedruckt wird, dürfte aber noch ein bisschen Zeit vergehen – schließlich gibt es für 3D-Drucker und IoT-Geräte hier auf Erden erstmal genug zu tun.

Fact Sheet

Sicherheit in mehr als 50 Ländern der Welt

Endian wurde 2003 in Eppan (Südtirol) gegründet. Die Community-Version der ersten Endian-Sicherheitsapplikation haben bereits 1.700.000 Nutzer heruntergeladen, die Business-Version der Software wurde tausende Male in über 50 Ländern der Welt installiert.

Endian in Zahlen

Das Unternehmen zählt 40 Mitarbeiter, die zum größten Teil in der Forschung und Entwicklung und im technischen Support beschäftigt sind. Sie arbeiten in den Büros in Italien, in den USA, Deutschland, Japan und der Türkei. Viele Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus. Das Unternehmen ist eine zu 100 Prozent italienische AG, gegründet von Raphael Vallazza, Diego Gagliardo, Harry Trettl und Peter Warasin, die nach wie vor die Eigentümer der Firma sind.