Innovationen

10 Mai 2017IDM

Von künftigen Hygienevorstellungen und Seifenspendern mit Hirn

Das Glück beim Händewaschen: Was Südtirols größtem Schriftsteller Joseph Zoderer den Durchbruch brachte, ist für Hagleitner täglich Brot. Zumindest hat das österreichische Unternehmen mit Sitz auch in Neumarkt alles im Sortiment, damit dem Glück nichts im Wege steht.

Das markante blaue Logo mit dem weißen Hagleitner-Schriftzug begegnet einem meist dort, wo man mit sich und seinen Gedanken allein ist: in Waschräumen, egal welcher Einrichtung oder Größe, in Hotels und Krankenhäusern, in Betrieben und sogar in Fußballstadien. Dabei ist die Waschraum-Hygiene nur einer von fünf Bereichen, in denen das international agierende Unternehmen aus Zell am See tätig ist. Neben jener in Waschräumen sorgt man für Hygiene in Küchen, von Wäsche und Objekten sowie für die Desinfektion.

Hygiene und Reinheit sind also die Kerngeschäfte von Hagleitner, das seit 2002 auch in Südtirol einen Sitz hat, genauer: in Neumarkt. Von dort aus hat man anfangs den heimischen Markt beackert und danach den norditalienischen. Noch heute werden Kunden bis nach Verona von Neumarkt aus bedient, während der Nordwesten Italiens vom neuen, vor wenigen Wochen eröffneten Mailänder Sitz des Unternehmens aus bearbeitet wird.

Südtirol als Sprungbrett nach Italien: „Man musste hier nicht viel aufbauen, es war ein erster Schritt“

Südtirol war demnach Hagleitners Sprungbrett nach Italien, ein Soft-Einstieg dank gleicher Sprache und kultureller Nähe. „Wir konnten in Südtirol die gleichen Werbematerialien und die gleichen Produktdatenblätter verwenden wie in Österreich“, erklärt Katharina Hagleitner, Countrymanagerin Italien bei Hagleitner. „Man musste hier nicht viel aufbauen, sodass der Schritt hierher ein erster Schritt nach Italien war.“ Zudem war und ist Südtirol ein interessanter Markt: „Die Tourismusdichte im Land ist für uns ein riesiges Potential“, so Hagleitner. „Ho.Re.Ca., also Hotels, Restaurants, Catering: Das sind genau unsere Kunden, für die wir zum Komplettanbieter werden können.“

Der Standort Neumarkt ist dabei nur ein Puzzlestück im Hagleitner-Universum, das seit seiner Gründung 1971 wächst und wächst. Mittlerweile ist man in zwölf Ländern rund um Österreich mit eigenen Firmen vertreten, exportiert werden Hagleitner-Produkte in 60 Länder weltweit. Mit Hygieneprodukten lässt sich also ein globales Netzwerk aufbauen, wenn man über das nötige Know-how und viel Erfahrung verfügt. Die sammelt man bei Hagleitner seit über 40 Jahren – seit dem ersten Produkt, einem Duftspender. „Es hat also alles mit dem Duft angefangen“, lacht Hagleitner.

Angefangen hat alles mit dem Duft – einem Duftspender, um genau zu sein.

Heute betreibt das Unternehmen am Sitz in Zell am See ein eigenes Entwicklungszentrum und auch die Produktion ist dort angesiedelt. Modernste Produktionsstraßen sorgen für den nötigen Nachschub an Spendern und Dosiersystemen – „in 25 Metern vom Granulat zum Spender“, fasst Hagleitner zusammen. Doch nicht nur Entwicklung und Produktion erfolgt in-house, vielmehr deckt Hagleitner die gesamte Kette ab: von der Entwicklung über die Produktion und den Vertrieb bis hin zu Montage und Wartung beim Endkunden. „So stellen wir sicher, dass wir ein direktes Feedback haben“, erklärt die Countrymanagerin: „Sollte ein Problem auftauchen, können wir das bis zur Produktion rückschließen und sofort beheben.“

Insourcing statt Outsourcing: Was man besser kann als andere, wird auch in-house erledigt

Hagleitner verfolgt damit einen ungewöhnlichen Ansatz für ein Unternehmen seiner Größenordnung: Insourcing statt Outsourcing. „Wir sind Komplettentwickler“, sagt Hagleitner, also chemisch-technischer Betrieb, Papierverarbeiter und Spenderbauer in einem. „Wenn wir glauben, es besser machen zu können als unsere Lieferanten, dann versuchen wir es selbst“, betont die Enkelin des Firmengründers. Besser machen heißt übrigens auch, sich selbst stetig weiterzuentwickeln. Da bildet der Hygiene-Markt keine Ausnahme. Auch hier heißt es, einen Finger am Puls der Zeit zu haben, Trends und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und so vorwegnehmen zu können: „Man kann nur innovativ sein, wenn man sagt: Was es am Markt gibt, ist nicht genug“, so Hagleitner.

Wohin aber geht die Reise in Sachen Hygiene? Katharina Hagleitner nennt vier Stichworte: ökologischer, konzentrierter, effizienter, einfacher. Gerade im Bereich von Wasch- und Reinigungsmitteln spielt der Umweltaspekt natürlich eine große Rolle, zudem geht es darum, möglichst wenig Wasser zu transportieren. Sprich: Die Entwicklung geht hin zu immer konzentrierteren Mitteln. Effizienz und Einfachheit sind schließlich Anforderungen, die mehr den Spender als die darin enthaltenen Mittel betreffen. Und da hilft High-Tech. 

Die Hygiene der Zukunft ist ökologisch, konzentriert, effizient und einfach. Und damit diese Anforderungen erfüllt werden können, kommt High-Tech zum Einsatz – nicht zuletzt im Spender.

Ein Seifen-, Wasch- oder Spülmittelspender scheint dabei ein Gerät zu sein, das mit High-Tech wenig am Hut hat: eine Halterung, eine Flüssigkeit, eine Möglichkeit, die Flüssigkeit aus dem Behälter zu kriegen, und fertig. Das ist die Sicht des Laien. Katharina Hagleitner als Expertin weiß es besser: „Ein Spender muss intelligent genug sein, damit er weiß, wie viel Flüssigkeit er abgeben muss. Und er muss über Sense-Technologie verfügen, denn: Warum sollte ich einen Spender berühren müssen? Das hat keinen Sinn.“

Die Zeiten, in denen hässliche Spender mit dreckigen Fingern unsanft behandelt worden sind, sind für Hagleitner vorbei, moderne Spender funktionieren kontaktlos. Und noch wichtiger: Sie kommunizieren mit demjenigen, der für das Auffüllen sorgt. Füllstände und Nutzungsdaten von Waschraum- und Desinfektionsspendern können zentral abgerufen, Lagermengen und Kosten genau berechnet und die Touren des Reinigungspersonals effizient gestaltet werden. „Heute verbringt das Reinigungspersonal ja noch einen Großteil seiner Zeit damit, überall hinein zu schauen und zu kontrollieren, ob irgendwo etwas fehlt: von der Seife bis zum Toilettenpapier“, so Hagleitner. „Da drücke ich doch lieber auf ein Knöpfchen und da steht dann: „Du musst fünf Rollen mitnehmen und zehn Seifennachfüllungen, in Raum x oder Toilette y fehlt das oder jenes.“

Das Niemals-leer-Prinzip im Härtetest: Wie funktioniert es auf Schiffen? Und wie in einem Stadion?

Das „Niemals-leer-Prinzip“ funktioniert sogar unter widrigsten Bedingungen, wie die Italien-Verantwortliche weiß: „Ich hatte erst kürzlich ein Gespräch mit einem Reeder, dem ich sagen konnte: Wenn Ihr Schiff in den Hafen zurückkommt, dann steht da schon die Ware bereit, die Sie brauchen.“ Remote Control ist auch hier das Zauberwort: Alle notwendigen Daten werden von den Geräten an Bord an die Zentrale übermittelt, dort sieht man, was fehlt oder wo etwas zur Neige geht. Die Bestellung kann zeitgerecht erfolgen, die Lieferung ebenso. Wenn’s sein muss, eben auch in einen Hafen.

Die Nagelprobe für das Remote-Control-System der Hagleitner-Hygienegeräte erfolgte im Vorjahr bei der Eröffnung des neuen Rapid-Stadions in Wien. Was, wenn 25.000 Zuschauer alle zugleich in der Pause auf die Toiletten stürmen? „Dann muss man wissen, wo was nachzufüllen ist oder wo das Papier ausgeht“, so Hagleitner. Auch im Stadion werden deshalb die Füllstände an die Zentrale übermittelt und dort im Auge behalten, damit rechtzeitig für Nachschub gesorgt werden kann. Und auch die Planung fällt dank der von den Geräten gelieferten Daten wesentlich leichter: Nutzer, Nutzungszeiten, Besucherfrequenzen, abgegebene Mengen: alles wird erfasst und kann von den Betreibern genutzt werden. „Man muss nur mit den Daten umgehen lernen, dann gibt’s unglaublich viel Potential“, erklärt Hagleitner.

Was, wenn 25.000 Leute auf einmal aufs Klo rennen? Dank Remote Control ist auch das kein Problem – zumindest in logistischer Hinsicht.

Desinfektion als Thema der Zukunft

Potential bietet auch ein Markt, auf dem Hagleitner zwar nicht so sichtbar ist, trotzdem aber zu den wichtigen Playern gehört: die Desinfektion. Hört man den Begriff, denkt man zunächst an Alten- und Pflegeheime oder Krankenhäuser, die natürlich zu den wichtigsten Anwendungsbereichen gehören. Schließlich ist die Angst vor Krankenhauskeimen nicht unbegründet – bei Patienten, Ärzten und Krankenhausverwaltern gleichermaßen.

Allerdings geht der Trend hin zur Desinfektion sehr viel weiter. Schon heute desinfizieren sich Menschen die Hände, wenn sie etwa in ein Restaurant gehen oder tragen ein Desinfektionsmittel in der Handtasche mit sich herum – „ich zumindest, aber ich bin vielleicht auch speziell sensibilisiert“, lacht Katharina Hagleitner. In jedem Fall biete der Bereich Wachstumsmöglichkeiten, die ihr Unternehmen zu nutzen versuche.

Und wachsen will man auch geographisch, in Italien etwa in Richtung Süden: „Runter bis in die Emilia-Romagna oder die Toskana“, sagt Hagleitner. Einen wichtigen Schritt hat man mit dem neuen Sitz in Mailand gesetzt, der aus dem 2014 aufgekauften Unternehmen Cartemani herausgewachsen ist. „Wenn jemand an Hygiene denkt und ihm fällt Cartemani-Hagleitner ein – das wär’s, was ich mir wünschen würde“, sagt die Countrymanagerin Italien mit Blick auf die Zukunft des Unternehmens. Dass der Sitz in Neumarkt dabei eine wichtige Rolle spielt, weiß man jetzt schon. So ist der Rechtssitz des italienischen Hagleitner-Ablegers immer noch dort angesiedelt – wegen der kulturellen Nähe und vielleicht auch wegen der Lebensqualität: „Man begeistert sehr schnell Leute, hierher zu ziehen“, lacht Katharina Hagleitner. 

Fact Sheet

Hagleitner in Zahlen

12:                   Länder, in denen Hagleitner mit eigenen Firmen präsent ist. Das Netz reicht von Deutschland bis nach Bulgarien.

25                    Meter lang ist die Produktionsstraße eines Waschraum- oder Desinfektions-Spenders. Hier wird aus Granulat ein High-Tech-Gerät

60:                   Länder, in die Hagleitner seine Produkte exportiert. Operiert wird weltweit mit Partnern, die zur Hagleitner-Unternehmenskultur passen.

120                  Mitarbeiter beschäftigt Hagleitner in Italien, über 1000 sind es insgesamt.

2002:               In diesem Jahr wagt Hagleitner den Sprung nach Südtirol und damit auf den italienischen Markt.

13 Millionen    Euro Jahresumsatz erwirtschaftet Hagleitner in Italien.

115 Millionen  Euro Umsatz jährlich erwirtschaftet die Unternehmensgruppe Hagleitner, rund drei Viertel davon auf dem Heimatmarkt Österreich.