Universität

6 März 2017Simone Treibenreif

Unibz forscht mit renommierten Partnern

Die Freie Universität Bozen forscht gemeinsam mit angesehenen Institutionen wie dem MIT und der Montanuniversität Leoben zum Thema „Industrie 4.0 – Ablaufverbesserung in Produktionsstätten“.

783.000 Euro aus dem EU-Förderprogramm für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ wurden insgesamt für das Projekt „Industrie 4.0 for SMEs – Smart Manufacturing and Logistics for SMEs in an X-to-order and Mass Customization Environment” eingeworben. Dabei geht es um die Übertragung der Konzepte der Industrie 4.0 auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU), um diese effizienter zu machen. Bei dem Gemeinschaftsprojekt von sieben Forschungsinstitutionen aus Europa, Asien und den USA (neben dem Massachusetts Institute of Technology MIT ist auch das Worcester Polytechnic Institute WPI als renommierter Forschungspartner dabei) sowie einem KMU fungiert die Freie Universität Bozen (unibz) als Projektkoordinator. Das KMU, die Firma Elcom sro aus der Slovakei, begleitet das Projekt von Beginn an und erlaubt es dadurch den Forschern, Feldforschung zu betreiben. Anfang Februar fand der Auftaktworkshop der Forschungspartner an der unibz statt.

 

Unsicherheit gegenüber der Industrie 4.0 ist unbegründet”

Industrie 4.0 bezieht sich auf die vierte industrielle und technologische Revolution von Embedded-Systemen zu cyber-physischen Systemen (CPS). Durch Industrie 4.0 soll die industrielle Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) auf eine neue Ebene gehoben werden.

„Die Unsicherheit gegenüber der Industrie 4.0 ist unbegründet”, unterstrich Helmut Zsifkovits von der Montanuniversität Leoben beim Treffen der Projektpartner in Bozen. „Bei Lagerbeständen mit über 10.000 Produkten ist manuelles Arbeiten nicht mehr möglich, die Lager werden hochautomatisiert. Dies hat zur Folge, dass Mitarbeiter sich entsprechend spezialisieren müssen und viele Firmen ihre Standorte zurück nach Europa verlegen, Stichwort re-shoring.” Und Christopher Brown vom WPI betonte die Wichtigkeit des Axiomatic Design, bei dem es darum geht, verschiedene Denkansätze in der Entwicklung von Produkten oder auch Produktionssystemen durch geschickte Designlösungen zu einem großen, cleveren Ganzen zusammenzufügen.

 

Von 783.000 Euro EU-Fördergelder fließen mehr als 300.000 an unibz

Von den für das Projekt zuerkannten EU-Fördergeldern fließt ein Großteil – etwas mehr als 300.000 Euro – nach Südtirol; mit diesen Mitteln wird das unibz-Team die kommenden vier Jahre im Bereich Thema „Industrie 4.0 – Ablaufverbesserung in Produktionsstätten“ bei KMU forschen.

In der ersten Projektphase, die bis Ende 2018 läuft, analysieren die beteiligten Einrichtungen die Industrie 4.0 und deren Konzepte und bewerten diese hinsichtlich Anwendung in KMU; in der zweiten Projektphase, die den Zeitraum von Anfang 2019 bis Ende 2020 umfasst, werden die Ergebnisse der ersten Phase zusammengefasst sowie Ratschläge für konkrete Aktionen und Strategien bzw. die Implementierung der Konzepte in KMU ausgearbeitet.

Es gilt dabei, die Bedürfnisse und die Treiber für smarte und intelligente Produktionsbetriebe festzulegen, angemessene Konzepte und Designlösungen für Produktion und Logistiksysteme in KMUs auszuarbeiten und geeignete Organisations- wie Geschäftsmodelle zu entwickeln. Um diese Ziele möglichst umfassend zu erreichen, wurde das Projekt in drei Bereiche gegliedert: Intelligente Produktion (Leitung unibz), Intelligente Logistik (Leitung Montanuniversität Leoben) sowie Organisation und Verwaltungsmodelle (Leitung Technische Universität Košice).

In Südtirol sollen im Rahmen des Projekts folgende Forschungsfelder angegangen werden:

  • Planung von hoch anpassungsfähigen Produktionsanlagen für KMU;
  • Intelligente Produktion für KMU durch ICT und CPS;
  • Automatisierung und Verhältnis Mensch – Maschine für KMU.

 

Projektziel: Optimierung der Wertschöpfungskette und damit der Wettbewerbsfähigkeit von KMU

„Unser Forschungsschwerpunkt ist die Industrie 4.0 im Anwendungsbereich der Klein- und mittelständischen Unternehmen, speziell in der Optimierung ihrer Wertschöpfungskette im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit” “, umreißt Dominik Matt das Forschungsfeld. Er ist Verantwortlicher für das Projekt an der unibz und Inhaber des dortigen Lehrstuhls für Produktionssysteme und -technologien sowie Leiter des Forschungsbereichs „Industrial Engineering und Automation (IEA)" an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der unibz.

Erfreut über das internationale Forschungsprojekt unter unibz-Koordination sowie die Akquise der beachtlichen EU-Fördergelder ist Paolo Lugli, seit Januar neuer Rektor der Freien Universität Bozen. „Dies ist der Weg, den ich mir für die Freie Universität Bozen wünsche“, betont Lugli, der bekannt für seinen Einsatz und seine Erfolge im Bereich Technologie- und Wissenstransfers sowie der Zusammenarbeit von Universität und Unternehmen ist. „Eine Herausforderung der Zukunft liegt in der Übertragung von Know-how und Technologien in kleine und mittlere Unternehmen, und gleichsam gilt es für die Forschungsarbeit verstärkt Drittmittel einzuwerben, um im Verbund mit internationalen Partnern den gesamten Bereich an der Freien Universität Bozen zu stärken. Ein konkreter Schritt in diese Richtung ist die Zusammenarbeit unserer Universität mit acht Universitäten des Nordosten Italiens in der Gründung eines gemeinsamen Competence Centres zu Industrie 4.0.“

Fact Sheet

Das Projekt SME 4.0 „Industrie 4.0 for SMEs – Smart Manufacturing and Logistics for SMEs in an X-to-order and Mass Customization Environment” hat eine Dauer von vier Jahren. Die Finanzierung erfolgt innerhalb des Europäischen Forschungsfonds Horizon 2020 als Teil des Marie Skłodowska-Curie Abkommens. Im Team der Freien Universität Bozen forschen Professor Dominik Matt, Professor Renato Vidoni, Professor Karl v. Ellenrieder, Erwin Rauch, Patrick Dallasega, Guido Orzes.

Partnerinstitutionen der unibz sind die Technische Universität Košice (Slowakei), die Montanuniversität Leoben (Österreich), Elcom sro (Slowakei), MIT – Massachusetts Institute of Technology (USA), Worchester Polytechnic Institute (USA), Chiang Mai University (Thailand) und SACS Engineering College (Indien).