Unternehmen

15 Januar 2017IDM

Sicher vor Onlinekriminalität im Internet of Things

Die Erfolgsgeschichte von Endian begann im Herzen Südtirols, in Eppan an der Südtiroler Weinstraße. Mittlerweile ist das Unternehmen auch in den USA, Deutschland, Japan und in der Türkei präsent, um virtuellen Schutz für Daten und industrielle Anlagen anzubieten.

Stellen Sie sich vor, der PC oder das Smartphone, auf dem Sie diese Zeilen lesen, ist plötzlich blockiert. Der Text ist weg, der Bildschirm schwarz und es erscheint eine Nachricht: „Ihre Daten sind nun verschlüsselt. Um wieder auf sie zugreifen zu können, müssen Sie bezahlen.“ Hier waren Cryptolocker im Spiel und die Probleme, die sie verursachen können, sind alles andere als harmlos. Vor allem aber betreffen Cryptolocker nicht nur ungeschützte Surfer. Im Februar 2016 bezahlte ein großes Krankenhaus in Los Angeles mehr als 15.000 Dollar „elektronisches Lösegeld“ an die Erpresser, um sein Computernetzwerk wieder zum Funktionieren zu bringen. In dem Netzwerk hingen nicht nur herkömmliche PCs, sondern auch medizinische Geräte wie Computertomografen, EEGs, EKGs und zeitprogrammierte Systeme zur automatischen Verabreichung von Insulin oder Schmerzmitteln.

Es gibt heute keinen Wirtschaftszweig mehr, in dem nicht zuerst der PC und dann das Internet unerlässlich geworden sind: die öffentliche Verwaltung, Energieversorger, aber auch Unternehmen der Schwerindustrie wie Stahlwerke oder Automobil- und Motorenhersteller. „Sicherheit in der Informatik bedeutet heute aber etwas ganz anderes als früher“, erklärt Raphael Vallazza. „Es ist zwar nach wie vor notwendig, den eigenen PC während des Surfens, bei der Kommunikation per E-Mail oder beim Onlineshopping zu schützen, aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass jedes Gerät, das online ist, angegriffen oder – noch schlimmer – ferngesteuert werden kann.“ Vallazza ist Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens Endian, das sich inmitten von Apfelbäumen und Weinreben in Eppan an der Südtiroler Weinstraße befindet. Hier, im Herzen des landwirtschaftlich geprägten Südtirols, liegt der Sitz einer Firma, die knapp 15 Jahre nach ihrer Gründung auch Büros in den USA, in Deutschland, Japan und in der Türkei hat. Endian entwickelt Sicherheitslösungen für große Unternehmen wie Lockheed Martin, Caterpillar und Liebherr, darüber hinaus betreut Vallazzas Firma aber auch bedeutende Kunden in der Tourismusbranche und im medizinischen Bereich.

Geschäftsdaten schützen, Erpressung vorbeugen

Die Weitsicht zweier Technikstudenten in Mailand

„2003 waren mein Geschäftspartner Diego Gagliardo und ich Studenten am Polytechnikum Mailand“, erinnert sich Vallazza. „Als Linux-Fans der ersten Stunde mit einem Faible für die Sicherheit in der Informatik ahnten wir voraus, dass das Internet der Dinge [Internet of Things, kurz IoT] praktisch alle Produktionsbereiche betreffen würde, aber dass sich gleichzeitig die Wenigsten um die Sicherheit der verbundenen Geräte kümmern würden“, erzählt er. „Daher haben wir uns nach unserem Universitätsabschluss sofort an die Arbeit gemacht – selbstverständlich am Computer.“ Zwischen 2003 und 2004 tat das frischgebackene Unternehmen Endian (der Name ist in Programmiererkreisen geläufig und rührt von den Bewohnern des Landes Liliput aus Gullivers Reisen her) seine ersten Schritte mit einer Software, die den Netzwerkzugang und -verkehr in verschiedenen Bereichen überwacht. Nach nur zwei Jahren folgte ein weiterer Meilenstein: Endian entwickelte einen besonders sicheren Hotspot (also das Gerät, das die Verbindung zum Internet via WLAN ermöglicht) und lancierte ihn für die Tourismusbranche. Heute ist dies eines der führenden Geräte in der Hotelbranche.

„Nachdem wir uns als Firma etabliert hatten, konnten wir uns einem heikleren Marktsegment widmen: dem Bereich Machine to Machine (M2M), der heute die meisten Angriffe verzeichnet“, sagt Raphael Vallazza. Diese Angriffe werden selten öffentlich bekannt – auch wenn es einige eklatante Fälle gibt wie etwa den berüchtigten Computerwurm Stuxnet, der eigens entwickelt wurde, um die Uran-Anreicherungsanlage im iranischen Natanz lahmzulegen. „Doch sehr häufig vermeiden es Organisationen, die schwerwiegende Ausfälle oder Lösegeldzahlungen via Cryptolocker erleiden, dies publik zu machen“, erklärt Vallazza. Im September 2012 lancierte Endian eine Reihe von Geräten für die Sicherheit in der Industrie. Von diesem Moment an nahmen Wachstum, Forschung und Entwicklung des Unternehmens rasant und kontinuierlich zu. „Es wird derzeit viel über das Internet der Dinge gesprochen und seit Kurzem auch mehr über Industrie 4.0, das Netz, das tausende Rechner und Industrieroboter miteinander verbindet“, erklärt der Endian-CEO. „In solchen Netzen vermehren sich unsichere Zugangspunkte natürlich exponentiell. Unser Unternehmen ist eines der wenigen weltweit, das ein Gesamtpaket als Lösung anbieten kann.“ Verbindet man Endian-Geräte an den richtigen Knotenpunkten des Firmennetzes oder des Industrienetzes, überwachen sie den Datenverkehr auf sehr einfache Weise – „und garantieren so die Sicherheit der Nutzer und des Unternehmens“, so Raphael Vallazza.

Südtirol als „idealer Standort für einen Firmensitz“

Effizientes Verwaltungswesen, Top-Dienstleistungen und hohe Lebensqualität: die Standortvorteile Südtirols

Es mag einfach scheinen, solche Lösungen zu zaubern, wie Endian es tut. In Wirklichkeit sind dafür aber ständige Weiterbildung und großer Ehrgeiz nötig. Trotzdem wirkt Raphael Vallazza gelassen und zuversichtlich, wenn er von seinem Büro in Eppan aus über Apfelwiesen und die Etsch bis nach Bozen blickt. „Wir haben entschieden, hierzubleiben und von unserem Hauptsitz Südtirol aus online mit unserem Büro in Mailand zusammenzuarbeiten, wo unser Mitgründer Diego lebt und arbeitet“, sagt Vallazza. Genauso handhabt er es mit den Partnern in den USA, Japan, Deutschland und der Türkei. „Es lag einfach auf der Hand“, so der Endian-Gründer. „Wir sind davon überzeugt, dass das Internet Arbeit und Know-how in jede Ecke der Welt bringen kann. Südtirol ist ein perfekter Standort, um ein Unternehmen aufzubauen: kompetente Verwaltung, einfache Wege in der Bürokratie, höchste Lebensqualität und Wirtschaftsdienstleister der Spitzenklasse – ich wüsste keinen besseren Ort für einen Unternehmenssitz.“

 

Fact Sheet

Sicherheit in mehr als 50 Ländern der Welt

Endian wurde 2003 in Eppan (Südtirol) gegründet. Die Community-Version der ersten Endian-Sicherheitsapplikation haben bereits 1.700.000 Nutzer heruntergeladen, die Business-Version der Software wurde tausende Male in über 50 Ländern der Welt installiert.

 

Endian in Zahlen

Das Unternehmen zählt 40 Mitarbeiter, die zum größten Teil in der Forschung und Entwicklung und im technischen Support beschäftigt sind. Sie arbeiten in den Büros in Italien, in den USA, Deutschland, Japan und der Türkei. Viele Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus. Das Unternehmen ist eine zu 100 Prozent italienische AG, gegründet von Raphael Vallazza, Diego Gagliardo, Harry Trettl und Peter Warasin, die nach wie vor die Eigentümer der Firma sind.