Innovationen

8 November 2016Ina Lutterbüse

Elektromobilität, intelligente Autos & autonomes Fahren – Drei Top Trends auf dem Weg zur Smart City

Unsere Mobilität wird sich in den nächsten 20-30 Jahren radikal verändern – und damit auch unser Stadtbild.

Werden wir in 20 Jahren mit selbstfahrenden Autos und Bussen zur Arbeit fahren? Findet unser Auto dann allein den nächstgelegenen Parkplatz? Werden unsere Kinder überhaupt noch einen Führerschein machen? All diese Fragen kann wohl heute niemand mit Sicherheit beantworten, doch eines ist klar: Unsere Mobilität wird sich in den nächsten 20-30 Jahren radikal verändern – und damit auch unser Stadtbild.

Über die verschiedenen Mobilitäts-Trends, die gerade weltweit vorangetrieben werden, wird kommenden Mittwoch, den 16.11.2016, auch beim Südtiroler LunchBriefing in München diskutiert. Unter dem Motto “Smart Mobility – Zukunftswelten der Mobilität” diskutieren Referenten u.a. vom IDM Südtirol und dem Fraunhofer Italia über die Zukunft in den Bereichen Automotive, Logistik und Mobilität.

Der Trend, der schon heute am ausgeprägtesten zu erkennen ist, ist die Elektromobilität.

Fahrzeuge jeglicher Art werden in Zukunft immer öfter ohne Benzin und Diesel auskommen und stattdessen an der E-Zapfsäule mit Strom “betankt” werden. Das ist einerseits ein Segen für die Umwelt, andererseits führt es aber auch dazu, dass unsere Straßen ruhiger werden – Elektroautos hört man fast nicht. Was auf den ersten Blick erfreulich und angenehm klingt, birgt beim genaueren Hinsehen jedoch Gefahrenpotenzial. Auf ein Auto, das man nicht hört, kann man nicht so gut reagieren, wie auf eins, das man schon aus 100 Metern Entfernung hört.

Autohersteller und Zulieferer haben das Problem erkannt. So entwickelt Industriegigant thyssenkrupp zusammen mit Akustikforschern Geräuschprofile für Elektroautos, die sogar auf die Wünsche der Kunden angepasst werden können.

Derzeit sind bei den meisten Elektroautos die Ladezeiten sehr lang bzw. die Strecken, die mit einer vollen Ladung zurückgelegt werden können, noch nicht sehr weit. Wäre es nicht wunderbar, wenn das Auto einfach selbst seinen Strom produzieren könnte? Genau das haben sich auch drei Münchner gedacht und einen Prototypen produziert: Der “Sion Extender” ist mit 4,11m recht klein, verfügt aber über 7,5 Quadratmeter Fläche, die mit monokristallinen Solarzellen bedeckt ist. Diese produziert Strom, der in einen 30-Kilowattstunden-Akku gespeist wird. Eine Akkuladung reicht für eine bis zu 250 Kilometer lange Ausfahrt – und scheint unterwegs die Sonne, geht es noch beliebig weiter. Theoretisch wäre auch eine Etablierung des Sions in den Regelenergiemarkt denkbar. Gäbe es einen Vertrag mit einem Stromanbieter, ließe sich bei Strommangel Energie vom Auto ins Netz speisen, bei Stromüberschuss umgekehrt. Schon im Februar 2017 wollen die drei Gründer die ersten Modelle ausliefern – für unter 16.000€ pro Stück.

Da die meisten Elektroautos ihren Strom aber nicht selbst produzieren, müssen sie regelmäßig geladen werden. Im heutigen Stadtbild sind Ladesäulen noch eine Seltenheit und so sind Elektroautofahrer sehr unflexibel, was ihren Parkplatz angeht. Dem will die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig entgegenwirken. Hier haben Wissenschaftler das sogenannte “Laternenpark”-System entwickelt: Straßenlaternen gibt es überall und sie können mit den von den Wissenschaftlern entwickelten Modulen ganz einfach nachgerüstet und so zur Ladestation erweitert werden.

Ein weiterer Trend auf dem Mobilitätsmarkt steht im Zusammenhang mit der allgegenwärtigen Digitalisierung.

Autos werden immer intelligenter, denn sie sind mit immer mehr Sensoren ausgestattet, die unendliche Mengen an Daten produzieren. Werden diese Daten zusammengeführt und ausgewertet, entsteht ein immer größeres Wissen über den Fahrer, sein Fahrverhalten und das Auto. So könnten in Zukunft sog. Predictive Maintenance Apps, die alle Kennzahlen im Auto messen und analysieren, schon präventiv eingreifen, bevor ein Problem bzw. Schaden am Fahrzeug auftritt.

Der Preis für eine KFZ-Versicherungen könnte sich dann nach dem Fahrverhalten des Besitzers richten: je risikohafter er fährt, desto teurer die Versicherung. Die akkumulierten Daten von Millionen Autofahrern können aber noch viel mehr. Der Kartendienst HERE arbeitet an einer HD-Map, die sich kontinuierlich mit Echtzeitdaten selbst aktualisiert. Diese könnte in Zukunft ganze Verkehrsströme leiten und kurzzeitige Warnmeldungen für Unfälle oder Staus aktivieren. Es gibt schon länger Sensoren, die die Niederschlagsrate exakt messen, damit die Scheibenwischer automatisch reguliert werden können. Jens Lehmann vom Fraunhofer Institut meint, dass sich damit eine hochpräzise Live-Wetterlandkarte generieren ließe – wären diese Sensoren in vielen tausenden Autos in Deutschland verbaut und miteinander vernetzt. Eine solche Karte wäre dann nicht nur für Autofahrer sondern auch für andere Branchen, z.B. die Landwirtschaft sehr interessant.

Dass auch andere Branchen von Daten, die durch Fahrzeuge generiert wurden, profitieren können, hat die Firma Famas System, die zum Portfolio des IDM Südtirol gehört, schon lange erkannt. Bereits in den 90er Jahren beschäftigte sich das Unternehmen mit intelligenten Parkleitsystemen. Heute bietet es seinen Kunden umfassende Lösungen zur Aufzeichnung und Auswertung von Verkehrs-, aber auch Wetter- und Umweltdaten. So lassen sich mit der Technologie der Firma u.a. auch Abgas- und Lärmbelastung spezifischer Standorte messen. Das kann wichtig sein, um rechtzeitig präventiv gegen Gesundheitsbelastungen in den entsprechenden Gebieten vorzugehen.

Megatrend autonomes fahren.

Ein Trend, der noch in den Kinderschuhen steckt, unsere Mobilität, ja unser Leben, aber am einschneidendsten beeinflussen wird, ist das autonome Fahren.

Schlagzeilen zu diesem Thema kommen meist aus dem Hause Google oder Tesla – doch vielerorts sind in kleinem Rahmen schon heute autonome Testsysteme auf der Straße. An der Universität Wageningen in den Niederlanden gibt es seit geraumer Zeit einen Pendelverkehr mit autonomen Minibussen zwischen Wageningen und der Nachbarstadt Ede. Die zehn Kilometer zwischen den zwei Städten legen die sog. WEPods mit 25 km/h zurück. Ein Lasersystem aus Deutschland sorgt dabei dafür, dass die Minibusse die Spur halten: es fertigt permanent Bilder von der Straße an und vergleicht diese mit gespeicherten Daten.

Auch die gesamte Versand- und Lieferbranche hat hohes Interesse an autonomen Fahrzeugen, die, z.B. mit kleinen autonomen Lieferrobotern bestückt, selbständig Pakete ausliefern könnten. Ein solches Modell hat Mercedes Benz vor kurzem vorgestellt: Ein Van, ausgestattet mit acht autonomen Robotern, soll künftig private Haushalte und Büros beliefern. Die Vorteile liegen auf der Hand: So können immer acht Lieferungen gleichzeitig zugestellt werden. Außerdem sind die Roboter kleiner und wendiger als ein großer Lieferwagen und kommen daher besser und näher zum Ziel.

Fact Sheet

Über die verschiedenen Mobilitäts-Trends, die gerade weltweit vorangetrieben werden, wird kommenden Mittwoch, den 16.11.2016, auch beim Südtiroler LunchBriefing in München diskutiert. Unter dem Motto “Smart Mobility – Zukunftswelten der Mobilität” diskutieren Referenten u.a. vom IDM Südtirol und dem Fraunhofer Italia über die Zukunft in den Bereichen Automotive, Logistik und Mobilität.