Infrastruktur

26 Mai 2017IDM

Mit Südtiroler Hilfe auf das Dach Deutschlands

Die neue Seilbahn auf die Zugspitze ist eine Seilbahn der Rekorde. Das Fundament dafür stammt aus Südtirol, genauer: von Stahlbau Pichler aus Bozen, das die Berg- und Talstation der neuen Bahn errichtet.

Man setzt also auf Südtiroler Know-how, wenn es darum geht, eine Seilbahn zu errichten, die gleich drei Weltrekorde brechen wird. So wird es auf der viereinhalb Kilometer langen Strecke nur eine einzige Stütze geben, was die neue Zugspitzbahn zu jener mit der weltweit größten Spannweite macht: 3213 Meter. Die Stütze wird zudem mit 127 Metern nicht nur höher als die Türme der Münchner Frauenkirche, sondern die höchste Seilbahnstütze rund um den Globus. Und zu guter Letzt überwindet die Bahn mit 1945 Metern den größten Höhenunterschied weltweit und bringt ihre Passagiere von der Talstation oberhalb von Garmisch-Partenkirchen auf das Dach Deutschlands.

Weil man beim Bau einer solchen Seilbahn der Superlative nichts dem Zufall überlässt, hat man den Bau der Berg- und Talstation in die ebenso erfahrenen wie innovativen Hände von Stahlbau Pichler aus Bozen gelegt. Und die sind auch notwendig bei einem Bau, der wegen der extremen Witterungsbedingungen und dem engsten Raum, auf dem er errichtet wird, nicht weniger als drei Jahre detaillierte Planungsarbeit erfordert hat. Dabei hat es vor allem die Errichtung der Bergstation technisch und logistisch in sich. Sie entsteht auf nahezu 3000 Metern Seehöhe an exponierter Stelle, Lagermöglichkeiten für das Baumaterial gibt es so gut wie keine. Die Folge ist ein logistischer Mammutaufwand und ein Just-in-time-System, das garantiert, dass vom Stahlträger bis zum Zement alles zu genau jenem Zeitpunkt geliefert wird, in dem es verbaut wird.

Dazu kommt, dass bei den Arbeiten auch auf die alte Zugspitzbahn Rücksicht genommen werden muss, deren Betrieb die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG (BZB) auch während der Errichtung der neuen Bahn nicht einstellt. Sie wird erst am 21. Dezember 2017 ausgedient haben, wenn die offizielle Jungfernfahrt der neuen Bahn ansteht: mit kürzeren Wartezeiten für alle Besucher der Zugspitze, mit mehr Platz und mehr Komfort, mit kürzeren Fahrzeiten und nicht zuletzt Ausblicken, die es so noch nie gegeben hat.

Deshalb ist Glas nicht nur das bestimmende Material der Kabinen, sondern steht auch im Mittelpunkt des architektonischen Konzeptes von Hasenauer Architekten Saalfelden. Schon von der Talstation aus werden die Besucher einen phantastischen Blick auf Eibsee und Zugspitze genießen können. Der setzt sich fort, wenn man die Bahn einmal betritt, und erreicht seinen Höhepunkt, wenn man sie an der Bergstation wieder verlässt – über vollständig verglaste „Bahnsteige“, die einmalige Panoramablicke ermöglichen. Diese sind auch deshalb möglich, weil die neue Bergstation 30 Meter über die Felswand auskragen wird, während es bei der alten Station „nur“ zehn Meter waren. So bekommt der Besucher das Gefühl zu schweben, unter sich nur die Nordwand der Zugspitze und rund 2000 Meter Luft. Die neue Bergstation wird so zur Krone der Zugspitze: hoch aufragend, filigran und funkelnd.

Weil der Bau besondere Herausforderungen bietet, hat man ihn in die Hände des Südtiroler Traditionsunternehmens Stahlbau Pichler gelegt. Dieses weiß, wie man mit extremen Baubedingungen umgeht, die sich auf der Zugspitze zuhauf bieten. So fehlt jeglicher Zugang zur Baustelle, der Platz ist denkbar knapp, die Temperaturen sind extrem, weshalb auch die Kräne regelmäßig enteist werden müssen. Mit den Bauarbeiten begonnen hat man im April 2016, bis Oktober desselben Jahres stand das Stahlgerippe der Bergstation, sodass mit der Errichtung der Fassaden begonnen werden konnte. Alle Stahl- und Fassadenteile wurden dabei an der Talstation zusammengebaut und mit einer Materialseilbahn auf den Berg gebracht. Bis die Station einmal steht, sind rund 400 solche Materialtransporte notwendig.

Bis zur Jungfernfahrt im Dezember werden nicht weniger als 1020 Tonnen Stahl und 5300 Quadratmeter Fassadenfläche verbaut worden sein. Auf die Besucher wartet dann eine dreistöckige Bergstation mit großem Gastronomiebereich und einer Panoramaterrasse auf dem Dach. Darüber hinaus wird ein Zugang zum Münchner Haus geschaffen sowie ein weiterer zur Seilbahn auf Tiroler Seite. Den atemberaubenden 360-Grad-Blick gibt’s natürlich inklusive.