Unternehmen

22 November 2016IDM

Wallenberg-Preis für Südtiroler Unternehmen

Mit dem Marcus-Wallenberg-Preis 2016 prämierte der schwedische König kürzlich das Brixner Unternehmen Microtec – für den von Federico Giudiceandrea entwickelten Computertomografen, der die Holzindustrie revolutioniert hat.

Mithilfe hochmoderner CT-Scanner geht das Brixner Unternehmen Microtec dem Innenleben von Holz auf die Spur. Anfragen kommen aus der ganzen Welt, auch Möbelriese IKEA hat schon angeklopft. Mit dem ersten Computertomografen für ganze Baumstämme (CT Log) hat Federico Giudiceandrea, CEO von Microtec, aber nicht nur die Holzverarbeitungsbetriebe aus aller Welt auf sich aufmerksam gemacht, sondern auch den renommierten Wallenberg-Preis 2016 gewonnen. Überreicht wurde ihm die Auszeichnung von König Carl XVI. Gustav von Schweden. Zusammen mit Giudiceandrea wurde der Mathematikprofessor Alexander Katsevich von der University of Central Florida ausgezeichnet, der Entwickler des Algorithmus, der dem Computertomografen zugrunde liegt. „Ich bin glücklich und gerührt zugleich“, kommentiert Giudiceandrea die Ehrung. „Die innovativen Möglichkeiten, die sich durch den CT Log in der Holzverarbeitung bieten, sind ein absoluter Höhepunkt in meiner Karriere als Unternehmer.“ Die große wissenschaftliche Anerkennung durch den Wallenberg-Preis, der mit 218.000 Euro dotiert ist, stellt nicht den ersten Meilenstein in der Erfolgsgeschichte der Microtec dar: Dass Giudiceandrea ganz vorne mitmischt, wurde schon 2013 mit der Verleihung des Schweighofer-Preises bestätigt.

Revolution in der Holzbranche

Mit dem Scanner CT Log eröffnen sich im Sektor der Holzverarbeitung ganz neue Möglichkeiten: „Diese Technologie kennzeichnet den Beginn einer neuen Ära in der Holzindustrie“, erklärte Marcus Wallenberg, Ratsvorsitzender des gleichnamigen Preises, mit dem jährlich die beste wissenschaftliche Neuerung auf dem Gebiet der Forstwirtschaft ausgezeichnet wird. „Dieses wissenschaftliche Forschungsergebnis und seine praktische Umsetzung werden zu einer wesentlichen Optimierung der Abläufe in der Holzverarbeitung führen.“

Der Spezialscanner CT Log von Microtec liefert mithilfe eines mathematischen Inversions-Algorithmus dreidimensionale Bilder. Dabei rotiert ein großer Röntgensensor um den Baumstamm und erstellt mehrere Hochgeschwindigkeits- und Hochauflösungs-Scans aus verschiedenen Richtungen. Die üblichen industriellen und medizinischen CT-Scanner hingegen erzeugen einen Kegelstrahl, der nach dem Durchgang durch den Körper erfasst wird, um das Bild zu rekonstruieren. Während der Untersuchung rotiert entweder das Objekt selbst oder die Röntgenquelle. Die Algorithmen oder Berechnungsdaten, die für die Erstellung der 3-D-Bilder benötigt werden, sind Annäherungswerte, aber für engere Kegelwinkel durchaus zuverlässig. Soll der Kegelstrahl weitere Winkel umfassen, können unscharfe Bilder entstehen.

Am Puls der Zeit

Der CT Log von Microtec erleichtert und beschleunigt die Holzverarbeitung. Sobald die innere Struktur eines Baumstamms genau untersucht ist, lässt sich der ideale Verwendungszweck für das Holz bestimmen und dadurch die Produktion insgesamt um etwa 10 Prozent steigern. Das bedeutet, dass sich die Anschaffungskosten für die Maschine innerhalb eines Jahres bezahlt machen.

Federico Giudiceandrea sieht in der Auszeichnung mit dem Wallenberg-Preis eine weitere Bestätigung, dass Microtec auf dem richtigen Weg ist: Das Brixner Unternehmen erzielt 99 Prozent seines Umsatzes im Ausland, hat über 100 Patente angemeldet und investiert jährlich rund 15 Prozent seines Gewinns in Forschung und Entwicklung. Genau diesen feinen Antennen für die Zukunft und für mögliche Innovationen verdankt Microtec seine führende Position in der Branche.

Zusammenarbeit mit Schwedischer Firma Saab

Ein neu entwickeltes Projekt von einer schwedischen Start-up Cind wird außerdem von Microtec auf dem Markt gebracht. Es ist ein System, welches das Volumen der Baumstämme akkurat messen lässt, noch während es per LKW transportiert wird. Das System verwendet steroskopische Videokameras die vom Flugzeugbauer Saab entwickelt wurden. Für die internationale Vermarktung und Distribution ist Microtec Partner der Cind, bei welcher er auch Gesellschafter ist.