Kultur

15 Mai 2017IDM

Telemedizin, Smart Living: Das Herz eines alpenübergreifenden Netzwerks schlägt in Bozen

11 Partner, 6 Staaten, 1 Herz – und das schlägt in Bozen: Das Projekt Care4Tech führt nicht nur Innovationsstandorte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich und Slowenien zusammen, sondern arbeitet auch an Antworten auf die Frage: Wie kann unser Alltag in Zukunft verbessert werden?

Der Alpenbogen als neues Silicon Valley? Das scheint weit gegriffen und doch: elf Business-Inkubatoren und Innovationsmotoren aus sechs Alpenländern haben sich zum Care4Tech-Netzwerk zusammengeschlossen, um technologische Lösungen zu entwickeln, die das Leben in Zukunft einfacher machen sollen – Smart Living in allen Bereichen: vom Leben daheim über Mobilität und Wirtschaft bis hin zur Medizin. Oder neudeutsch: von Smart Home über Smart Mobility und Smart Manufacturing bis e-Health.

Ein Netz mit elf Knoten

Vor einigen Tagen ist nun der Startschuss zu Care4Tech gefallen, und zwar bei IDM Südtirol in Bozen, das – nicht nur geografisch – das Herz des Projektes bildet. An diesem beteiligen sich neben IDM Südtirol die Hochschulen von Kempten und Klagenfurt, BayernInnovativ (Nürnberg), die Kompetenzzentren MicroTEC Südwest (Freiburg) und Evolaris (Graz), die Technologie-Parks von Laibach und Pomurje (Slowenien) sowie von Zürich, das Kunststoffcluster Plastipolis aus Grenoble sowie Afil-Associazione fabbrica intelligente aus der Lombardei.

Wie bei der Kickoff Conference in Bozen mehrfach unterstrichen wurde, sei das Ziel von Care4Tech, private Unternehmen anzusiedeln, aber auch Forschungsinstitute und -organisationen zu gewinnen, um gemeinsam intelligente Technologien für die unterschiedlichsten Sektoren zu entwickeln. „Wir schaffen ein Netzwerk, das allen beteiligten Regionen Vorteile bringen wird“, erklärt Josef Ziernhöld, Projektverantwortlicher bei IDM Südtirol. Ausgelegt ist Care4Tech vorerst auf einen Zeitraum bis Oktober 2019, das Budget der Initiative beläuft sich auf fast 1,7 Millionen Euro.

Eine erste Verpflichtung sind die elf Partner bereits eingegangen. Sie alle werden mindestens zehn innovative Unternehmen in das Projekt einbinden – allerdings ist das nur ein erster Schritt: „Die Smart-Living-Technologien bergen ein enormes Potenzial für private Anwender, darüber hinaus aber auch für Gesundheitseinrichtungen oder so unterschiedliche Bereiche wie die Autobahn oder die Landwirtschaft“, so Ziernhöld. Damit passt das Projekt Care4Tech auch bestens ins Portfolio von IDM Südtirol. „Unsere Aufgabe ist, Südtirol als Wirtschaftsstandort aufzuwerten, indem wir Forschung, Entwicklung und Innovation fördern“, so der Projektleiter, „und genau das tun wir mit Care4Tech: wir steigern die Wettbewerbsfähigkeit eines ganzen Gebietes.“

Gesund in die Zukunft

Selbst der Einsatz der Mittel geht bei Care4Tech einen neuen, innovativen Weg. So werden nicht wie üblich die teilnehmenden Unternehmen gefördert, sondern Experten bezahlt, die für das Netzwerk arbeiten. So entstehen innerhalb des Netzwerks Instrumente, die die teilnehmenden Unternehmen nutzen können, etwa eine Online-Plattform zum Austausch von Beratungsleistungen. Interesse an einer Teilnahme am Projekt angemeldet hat der Südtiroler Gesundheitsbetrieb, der seinen IKT-Masterplan umsetzen will. „Wir sind eine sechsjährige Partnerschaft mit dem privaten Unternehmen Saim 2.0 eingegangen, in der die digitale Patientenakte entwickelt werden soll“, erklärt Cristian Steurer der Informatikabteilung des Südtiroler Gesundheitsbetriebes. Zugleich experimentiert man mit Möglichkeiten der Telemedizin, etwa im Rahmen einer Studie mit 150 Diabetes-Patienten, deren Blutzuckerspiegel ferngemessen werden kann. Und auch in der Bilderkennung im Rahmen der Histologie soll Care4Tech neue Ansätze liefern.

Bozner Telemedizin im Weltformat

Als Case Study wurde auch die Bozner Firma Reha Technology eingeladen, die aus der Privatklinik Villa Melitta hervorgegangen ist und im Bereich der Medizinrobotik forscht. Heute ist die Firma in der Schweiz, den USA und in Deutschland präsent, beschäftigt 25 Mitarbeiter und weist einen Umsatz von 8 Millionen Euro auf. Dieser sollte allerdings dank eines neuen Investors auf 20 Millionen Euro steigen. „Warum soll man zwei Stunden Fahrt auf sich nehmen, um etwas zu erledigen, was 20 Minuten dauert“, fragt Julius Michael Waldner, Vizepräsident der Entwicklungsabteilung bei Reha Technology. „Genau hier setzen unsere Lösungen an“, so Waldner, der bei der Kickoff Conference ein Tele-Reha-Projekt für Schlaganfallpatienten vorgestellt hat.