Unternehmen

14 März 2017Ina Lutterbüse

Eine Teekanne erobert Italien

Teekanne ist eines der ältesten Markenzeichen in Deutschland.  In den 1950er Jahren expandierte Teekanne unter dem Namen “Pompadour" nach Italien - um genau zu sein nach Südtirol.

Das 1882 in Deutschland gegründete Unternehmen Teekanne ist international führend in der Produktion von Tee in Teebeuteln. Seine Kräuter- und Früchtetees werden in der ganzen Welt getrunken – in über 50 Ländern kann man die Teebeutel mit dem Kannen-Logo kaufen. Mittlerweile hat das Unternehmen 1.500 Mitarbeiter in acht Niederlassungen, in denen jährlich sieben Milliarden Teebeutel produziert werden. Würde man diese aneinanderreihen, würden sie die Erde 39 mal umrunden (1.575.000 km). Allein die Mutterfirma mit Sitz in Düsseldorf machte im vergangenen Jahr 500 Millionen Euro Umsatz.

Teekanne ist eines der ältesten Markenzeichen in Deutschland. 1949 ließ sich das Unternehmen seine Erfindung des Doppelkammer-Teebeutels patentieren, der man heute überall auf der Welt begegnet.In den 1950er Jahren expandierte Teekanne unter dem Namen “Pompadour” nach Italien – um genau zu sein nach Bozen in Südtirol. Den Namen wählte man Aufgrund der Ähnlichkeit des Teebeutels zum Handtaschenmodell von Madame de Pompadour, welches im 18. Jahrhundert zum Designklassiker avanciert war.

Heute macht Pompadour einen Jahreszumsatz von 38 Millionen Euro und beschäftigt 64 Mitarbeiter, von denen zwei Drittel Frauen sind.

 

Im Interview verrät Geschäftsführer Alexander Schick, was es bedeutet, als deutsches Unternehmen in Italien tätig zu sein.

 

Herr Schick, wie kam es zu der Entscheidung, als deutsches Unternehmen nach Italien zu expandieren?

Das war damals in den späten 50er Jahren. Damals hatte Teekanne eine Niederlassung in Österreich und von da aus wurde der Südtiroler Markt erarbeitet. Schon damals kamen viele Touristen nach Südtirol und so wurde der Bereich Hotellerie und der kleine Einzelhandel von Österreich aus bearbeitet. Nach einigen Jahren hatte man dann einen Importeur in Bologna, der die Produkte importierte und versuchte zu vertreiben. Leider gab es da keine großen Erfolge, weil Kräuter- und Früchtetees, welche die Stärke der Marke Teekanne sind, überhaupt nicht bekannt waren. Somit entschied man, man müsse eben da beginnen, wo es schon einen kleinen Markt gab, in Südtirol. 1964 wurde dann in Bozen die Niederlassung gegründet und man machte sich daran, die Produkte im italienischen Markt bekannt zu machen. Und da das Unternehmen schon zuvor die Marke “Pompadour” in der Gastronomie benutzt hatte, blieb man dabei.

 

Was spielt der Standort Südtirol für eine Rolle für das Unternehmen?

Der entscheidende Faktor ist natürlich die Kenntnis der deutschen Sprache und dass sich hier die italienische und deutsche Kultur vereinigen, man lebt beide Kulturen. Das ist der große Mehrwert, denn nur die Sprachkenntnisse sind nicht ausreichend um einen Markt zu bearbeiten, man muss auch den Lebensstil und die Kultur kennen.

Meine Frau ist Italienerin, meine Mutter ist Italienerin, mein Vater ist Südtiroler und meine Kinder sprechen zwei Sprachen - und man weiß hier, wie der Deutsche denkt, sieht deutsches Fernsehen.

 

Nur bei Fußballweltmeisterschaften muss man sich dann immer entscheiden, oder?

(Lacht.) Genau, da teilen sich dann die Gemüter.

 

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Sind die Tee-Vorlieben in Italien ähnlich wie in Deutschland oder musste man sich auf die Geschmäcker der Italiener einstellen?

Die Italiener konsumieren anders als die Deutschen, das war wichtig zu erkennen. Nicht nur die Frequenz, sondern selbst innerhalb des Landes gibt es beim Geschmack Unterschiede. So konsumiert der Westen mehr Kräuter- und der Osten mehr Früchtetees, weil dort der Einfluß aus Österreich kommt. Wir mussten das Sortiment stark anpassen an die Gegebenheiten des Landes. Teekanne hat die Devise “Global thinking, local marketing” und dieses lokale Marketing ist wirklich entscheidend.

 

Sie sind zwar schon 20 Jahre bei Pompadour, haben die Expansion aber nicht “live” miterlebt. Können Sie trotzdem etwas zu den größten Herausforderungen sagen, vor denen man damals stand?

Ja, ich hatte 1996, als ich anfing, ja noch alte Mitarbeiter, die davon berichten konnten. Die erzählten uns, dass die größte Schwierigkeit war, dass Kräuter- und Früchtetees total unbekannt waren. Der Italiener kannte nur den Kamillentee für Kleinkinder vor dem Schlafengehen und den Schwarztee, wenn man Magenbeschwerden hatte. Da war also die  Herausforderung, wie bekommen wir die Italiener zum Kräuter- und Früchtetee? Man hat dann langsam begonnen, Hagebutten-Tee und Pfefferminztee zu vertreiben, aber anfangs stauten sich die Packungen im Supermarktregal.

Später gab es dann noch eine zweite Schwierigkeit, die man anfangs nicht auf dem Schirm hatte: Süditalien. Dort existiert nämlich eine ganz andere Zahlungsmoral, vor der die deutsche Mutterfirma Angst hatte. So hat man den Süden lange gemieden. Erst in den 90er Jahren konnten wir unseren Mutterkonzern überzeugen, dass man auch mit 120 statt 30 Tagen Zahlungsziel leben kann. Heute haben wir haben eine Distributionsquote von über 90% im ganzen Land, d.h. Sie können Pompadour in über 90% der Läden kaufen, die Tee im Sotiment haben.

 

Wie eng arbeiten Sie denn heute mit der Mutterfirma in Deutschland zusammen?

Es gibt ein monatliches Meeting im Hauptsitz in Düsseldorf, bei dem sich alle Marketing-Chefs der Länder treffen und über neue Produkte diskutieren. Jedes Land eruiert dann für sich, ob die neuen Ideen im eigenen Markt eine Chance hätten. In Deutschland werden diese Produktideen dann, in Abstimmung mit den entsprechenden Ländern, letztendlich entwickelt. Das heißt wir verkosten und testen solange, bis sie uns passen. Dann gibt es erste Tests im Markt und wenn diese erfolgreich sind, wird die neue Sorte schließlich eingeführt. Natürlich auch mit dem entsprechenden Packaging. So wurde zum Beispiel die Sorte “Kaminzauber” mit deutschem und italienischem Namen auf der Packung eingeführt, weil wir wissen, dass diese Sorte in Südtirol sehr gut funktionieren wird.

 

Was würden Sie heutzutage deutschen Unternehmen mit auf den Weg geben, die die Expansion nach Italien bzw. Südtirol wagen möchten?

Wie schon gesagt ist es von großem Vorteil, wenn man Personal hat, das nicht nur zwei Sprachen kennt, sondern zweisprachig aufgewachsen ist, und somit auch beide Kulturen kennt und lebt. Deshalb sind wir so groß geworden, weil wir von hier aus den Markt bearbeitet haben. Die Südtiroler sind sehr fleißige, korrekte Menschen, mit herausragender Arbeitsmoral, die man so nicht überall in Italien antrifft.


IDM unterstützt bei der Gründung und Ansiedlung von Unternehmen in Südtirol. Mehr Infos hier: http://www.verticalinnovation.de/de/in-sudtirol-investieren