Forschung

15 Juni 2017IDM

Südtiroler Schüler entwickeln Satelliten

Schüler der Technologischen Fachoberschule Max Valier in Bozen haben mit Hilfe renommierter Raumfahrtexperten einen Satelliten entwickelt, der Ende Juni seine Reise ins All antritt.

Der erste Satellit „made in Südtirol“ ist zu Ehren von Max Valier benannt, dem bedeutenden Südtiroler Wegbereiter der Raketentechnik. Dahinter stehen Schüler und Lehrer der deutschsprachigen Technologischen Fachoberschule (TFO) Max Valier in Bozen. Sie arbeiteten unter der Anleitung von namhaften Forschungseinrichtungen wie dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching und von dem renommierten Weltraumunternehmen OHB (Otto Hydraulik Bremen). Initiiert hatte das Projekt im Jahr 2008 der Südtiroler Manfred Fuchs, der einst selbst als Schüler die TFO Max Valier besuchte und als einer der europäischen Pioniere im Bereich der geostationären Satelliten gilt.

Schüler und Weltraumexperten Seite an Seite

Um den Satelliten zu bauen, wurden die Kompetenzen der Fachoberschule Max Valier ideal gebündelt und genutzt: Die Elektronik stammt von Klassen der Fachrichtung Elektronik, die mechanische Struktur fertigten Klassen der Fachrichtung Maschinenbau. Und die Arbeitsgruppe Automation entwickelte Methoden zur Analyse der Sensoren und zur Bestimmung der Orientierung im Orbit.

Der Initiator des Projekts, der 2014 verstorbene Manfred Fuchs, unterstützte die Konstruktion des Satelliten wissenschaftlich und finanziell. Seine Ingenieure führten Entwicklungsarbeiten und Tests durch, zum Beispiel eine Thermalanalyse und eine professionelle aktive Lageregelung. Die von Fuchs im Jahr 1981 gegründete OHB übernimmt die Beförderung des Satelliten ins Weltall.

Max Valier Sat“ wird von Indien aus mit der Rakete PSLV-C38 auf eine Höhe von 509 Kilometern in seine Umlaufbahn gebracht, um dann in 95 Minuten einmal die Erde zu umkreisen. Er trägt auch ein vom Max-Planck-Institut gefertigtes Röntgenteleskop an Bord. Die mit Hilfe eines Amateurfunksenders zur Erde geschickten Daten können von Funkamateuren empfangen und decodiert werden: Der Satellit wird auf den Amateurfunkfrequenzen 145,860 MHz und 145,960 MHz senden; an der TFO in Bozen und an der Fachoberschule in Meran ermöglichen zwei zur Verfügung stehende Funkamateurstationen den Empfang der Daten. An Bord befindet sich ebenso ein einfacher Peilsender, der neben dem Rufzeichen auch eine Nachricht in Morse-Code sendet.

Grenzüberschreitende Kooperation

Der Schülersatellit wurde auf einer Pressekonferenz am 1. Juni an der TFO in Bozen vorgestellt, während der die Projektleiter auch die Details zum Start des Satelliten bekannt gaben. Anwesend waren dabei auch Indulis Kalnins, Projektverantwortlicher der OHB, Diogo Coutinho als Repräsentant des Max-Planck-Instituts, die Direktorin der TFO Barbara Willimek, die Lehrer Ferdinand Heidegger und Sandra Zuccaro sowie viele Sponsoren. Im Mittelpunkt standen aber vor allem die am Projekt beteiligten Schüler: Jakob Puff präsentierte eine Risikoanalyse zur Kollision mit Teilchen im Orbit, die zusammen mit dem Ernst-Mach-Institut der Fraunhofer-Gesellschaft in Freiburg erarbeitet wurde. Sein Mitschüler Tobias Bernardi erklärte die Bodenstation IM3EAE, die für die Steuerung des Satelliten und für den Empfang der Satellitendaten verwendet wird.

Der Südtiroler Landesrat für Deutsche Bildung und Kultur Philipp Achammer dankte allen Beteiligten, die zum Gelingen des Projektes beigetragen haben. Besonders hob er den Einsatz der Lehrer und Schüler hervor, „die gezeigt haben, dass sie nicht nur über die notwendigen fachlichen Fertigkeiten verfügen, sondern auch über den Teamgeist, der erforderlich ist, um solche Projekte umzusetzen“, so der Landesrat.

Verschiedene Projektpartner haben durch grenzüberschreitende Kooperation die Konstruktion des ersten Südtiroler Satelliten wissenschaftlich wie finanziell gefördert und möglich gemacht. Die Partnerschaft mit der OHB, aber auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und dem Ernst-Mach-Institut der Fraunhofer-Gesellschaft war für die Verwirklichung des Projektes von zentraler Bedeutung. Gefördert wurde das Projekt außerdem von der Region Trentino-Südtirol, der Stiftung Südtiroler Sparkasse, der Handelskammer, von Confartigianato Imprese, von den Firmen Markas, Duka und Universal sowie vom Deutschen Schulamt.