Innovationen

21 April 2017IDM

​​​​​​​Die Zukunft des Sports beginnt in Südtirol: Winter- und Bikesport-Start-ups bei „Prowinter 2017“

Wearables als Skilehrer, ein Lawinenairbag als Atemgerät und Virtual Reality als Bergerlebnis-Ersatz für Couch-Potatoes: Beim „Start-up Village“ der Prowinter konnte man einen Blick in die Zukunft des Sports in den Bergen werfen.

Die Prowinter, eines der Zugpferde der Messe Bozen, hatte in diesem Jahr eine klare Ausrichtung: jene nach vorn. Wie schauen der Winter- und der Bikesport der Zukunft aus? Wie hilft uns die Technologie, unser Naturerlebnis noch zu intensivieren? Und welchen Beitrag kann sie zur Sicherheit leisten? Antworten auf diese Fragen lieferten in den vergangenen Tagen elf Start-ups aus ganz Europa. Zur Prowinter eingeladen von IDM Südtirol und Messe Bozen konnten sie im Start-up Village ihre Prototypen einem breiten Publikum präsentieren.

Ein High-Tech-Skilehrer mit drei Sensoren: Das Ski-Techniktraining der Zukunft ist digital

Die Messebesucher staunten dabei nicht schlecht, war die Palette der Neuerungen für Bike und Piste doch eine denkbar breite: vom neuen hochresistenten und ultraleichten Fahrradschlauch bis hin zum Virtual Reality-Erlebnis in der Gletscherwelt. Der Abstecher dazwischen führt uns auf die Piste, wo uns künftig ein High-Tech-Skilehrer in Form dreier Sensoren begleitet. „Snowcookie“ nennt sich die bahnbrechende Technologie, die aus Polen stammt, und dem Skifahrer mittels zweier Sensoren auf den Skiern und einem auf der Brust laufend Feedbacks gibt: Stehe ich zentral überm Ski? Stimmt der Schwerpunkt? Führe ich die Skier parallel? Die Informationen und Tipps zur Verbesserung der eigenen Technik werden über das Smartphone empfangen oder direkt in die Datenbrille übertragen. „Der nächste technische Schritt seit Einführung der Videoanalyse“, schwärmen Trainer, die Snowcookie getestet haben. Wer übrigens auf technische Tipps verzichten möchte, kann die Sensoren auch nur für den Performancecheck nutzen. So werden zurückgelegte Kilometer und überwundene Höhenmeter ebenso ausgewertet, wie biometrische Daten, die zeigen, wann man mit dem Skifahren Schluss machen sollte, weil man die Leistungsgrenze erreicht hat.

Lebensretter und Sichtverstärker: Neue Technologie macht den Wintersport sicherer

Weniger um Performance und eine Verbesserung der eigenen Technik als vielmehr um Sicherheit geht’s beim Integrated Avalanche System (IAS), das dem Albtraum aller Skitourengeher und Freeride-Skifahrer zu Leibe rückt: dem Erstickungstod unter einer Lawine. Das in Deutschland entwickelte System kombiniert den (heute fast schon) klassischen Lawinenairbag mit einem Atemsystem. Das heißt, der Airbag hält den Skifahrer im Falle eines Lawinenabgangs nicht nur an der Oberfläche, sondern funktioniert auch als Atemgerät. IAS verschafft Verschütteten also Zeit und erhöht die Überlebenschancen unter einer Lawine.

Eine Marktlücke hat dagegen das österreichische Start-up sk-x entdeckt. Schließlich geht heute fast jeder dritte Skifahrer oder Snowboarder ohne optische Korrektur auf die Piste, obwohl er im Alltag eine Brille trägt. Das trübt – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht nur das Skierlebnis, sondern ist auch ein Sicherheitsrisiko. sk-x hat auf der Prowinter 2017 ein optisches Skibrillenglas vorgestellt, mit dem dieses Problem behoben und die Sehkraft – wie im Alltag auch – unterstützt werden kann.

Vom virtuellen zum echten Erlebnis: VR-Gletschererlebnis und Innovation Day on Snow

Um Unterstützung, allerdings ganz anderer Art, geht es auch dem Südtiroler Start-up Realer von Bruno Mandolesi, das die Besucher der Prowinter kurzerhand auf den Gletscher verfrachtet hat: mit Hilfe von Virtual Reality und einer 3D-Brille, mit der man eine virtuelle Gletscherspalte überqueren konnte – beängstigender Tiefblick inklusive. Auch Couch-Potatoes kann so das Bergerlebnis vermittelt werden, Städter können sich gefahrlos in die Wildnis begeben. Das wirtschaftliche Potential der VR-Technologie liegt allerdings woanders:  Tourismusdestinationen können potentiellen Gästen, Unternehmen potentiellen Kunden unter annähernd realen Bedingungen Einblick in ihr Angebot verschaffen.

Für nicht nur annähernd, sondern wirklich reale Bedingungen haben IDM Südtirol und Messe Bozen beim Innovation Day on Snow gesorgt, der am Schnalstaler Gletscher ausgetragen wurde. Hier konnten die Start-ups ihre Produkte live präsentieren und ihre Funktionsweise im Schnee und auf der Piste demonstrieren. In Zusammenarbeit mit dem italienische Wintersportverband FISI konnten die Prototypen von Athleten, Trainern und Experten erprobt und die Entwickler selbst mit wertvollen Feedbacks versorgt werden.

In der Messe Bozen ging’s in den letzten Tagen übrigens nicht nur um die Zukunft des Bike- und Wintersports, sondern auch um jene der Mobilität. „Klimamobility“ heißt das ganztägige Parallelevent der Prowinter, bei dem neue, umweltschonende Mobilitätslösungen präsentiert wurden. Umweltfreundliche Mobilität steht ebenso auf Südtirols Prioritätenliste  wie die Innovation, die Prowinter und Klimamobility in diesem Jahr als einende Klammer zusammengehalten hat.