Innovationen

2 Juni 2017IDM

Südtirol als Magnet für Kreative

Ein italienisch geprägtes Auge fürs Design, deutsche Präzision, jahrhundertelange Tradition und ein Top-Ausbildungsangebot: All dies macht Südtirols Kreativwirtschaft zu einer besonders interessanten Sparte. Davon konnten sich nun deutsche Unternehmen bei einem Lunchbriefing in München überzeugen.

Netzwerken muss sich nicht immer nach Arbeit anfühlen. Dies haben die Teilnehmer an einem von IDM Südtirol und Munich Network organisierten Lunchbriefing erfahren, bei dem es um Südtirol als Standort für kreative Unternehmen ging. Dabei mussten die allgemeinen Vorzüge des Landes kaum noch vorgestellt werden, kennt man Südtirol doch mittlerweile als wichtige Brücke zum italienischen Markt, als Standort mit hoher Lebensqualität und einem ausgeprägten Unternehmersinn.

Drei gewichtige Pros für Südtirols Kreativwirtschaft

Umso mehr Zeit konnte beim Lunchbriefing der Kreativwirtschaft gewidmet werden, die sich in den letzten Jahren auch international einen Platz an der Sonne erkämpft hat. Drei Ursachen wurden dafür genannt. Da ist zum einen der für Südtirol typische Mix aus Nord und Süd, in diesem Fall aus der dem deutschen Kulturraum eigenen Präzision und einem italienisch geprägten Sinn für Stil und Design. Ursache Nummer zwei ist die Jahrhunderte zurückreichende Handwerkstradition, die seit jeher in der Verarbeitung der in den Bergen vorhandenen Materialien gründet. Und weil man um diese Vorzüge weiß, fördert man sie durch ein hochmodernes Ausbildungssystem. So verfügt die Freie Universität Bozen über eine eigene Designfakultät, in der in engem Austausch mit den Unternehmen hoch qualifizierte, dreisprachige Fachkräfte ausgebildet werden.

Die Voraussetzungen für Unternehmen der Kreativwirtschaft sind daher in Südtirol nahezu optimal, wie auch Sepp Walder und Luis Marangon von IDM Südtirol betonten: als autonomes Land biete Südtirol stabile politische und wirtschaftliche Verhältnisse und fördere gezielt die Innovation. Diese Vorzüge würden mittlerweile auch von immer mehr Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen genutzt, die den italienischen Markt von Südtirol aus beackern. „In den Stiefel“, so lautet nicht umsonst ein IDM-Slogan, „steigt man von oben ein“.

Neue Impulse von Uni und NOI Techpark

Die Besonderheiten des Studiums an der Fakultät für Design der Freien Universität Bozen erläuterte indes Professor Antonino Benincasa. Anders als in Deutschland, so Benincasa, sei das Studium in Bozen projektorientiert und interdisziplinär. Ersteres sorge für die nötige Nähe zu Arbeitswelt und Praxis, letzteres dafür, dass die Studenten in allen Design-Bereichen ausgebildet würden. Für den internationalen Austausch sorgt zudem das jährliche Designfestival, zu dem Designer und Studenten aus aller Welt nach Bozen kommen, um an neuen, innovativen Ideen zu feilen. Apropos innovative Ideen: Die werden auch im engen Kontakt mit der Wirtschaft entwickelt: von neuem Denken für klassische Seilbahnen über Apfelkabinen und futuristische Nahverkehrsideen bis hin zu Unterwasser-Verbindungen unter Meerengen.

Für zusätzliche Dynamik in Südtirols Kreativwirtschaft wird der NOI Technologiepark in Bozen sorgen, der derzeit entsteht. Wie Sepp Walder, einer der NOI-Köpfe innerhalb von IDM Südtirol, erklärte, solle der Techpark Forschungsinstitute, die Universität und innovative Unternehmen zusammenbringen. Dabei bleibt seine Wirkung nicht allein auf Bozen beschränkt, sondern wird auf ganz Südtirol und weit darüber hinaus abstrahlen. Er biete sich damit, so Walder, auch als idealer Standort für neue Unternehmen im Herzen Südtirols an. Übrigens: Das Kürzel NOI steht für „Nature of Innovation“, gleichzeitig heißt es auch „wir“ auf Italienisch und im Südtiroler Dialekt „neu“: drei Fliegen, eine Klappe.

Südtirol als Nährboden für Innovation

Die praktische Seite beleuchtete schließlich Alex Terzariol, Kreativdirektor von MM Design in Bozen. Er ist erfolgreicher Designer und hat zahlreiche preisgekrönte Produkte entwickelt. Wie Terzariol betonte, sei der wohl wichtigste Aspekt von Produktdesign die Innovation. Innovativ könne dabei die Ästhetik sein, die verwendeten Materialien, die Technologie. In jedem Fall aber stehe sie im Dienst des Anwenders, dessen Leben durch innovatives Design erleichtert werden solle. Südtirol sei, so Terzariol, ein optimaler Nährboden für Innovation, weil hier Kulturen aufeinandertreffen und sich mit breitem handwerklichem Know-how vermischten.