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5 Mai 2017IDM

Ziel 2050: Südtirol setzt im Kampf gegen Emissionen auf Energieeffizienz und nachhaltige Mobilität

Im Kampf für eine abgasfreie Luft überlässt Südtirol nichts dem Zufall. Bis 2050 soll der Kohlendioxid-Ausstoß pro Kopf von derzeit rund 5 auf unter 1,5 Tonnen gesenkt werden. Das Forschungsinstitut Eurac hat dafür die Energieszenarien der Zukunft simuliert.

Das Jahr 2050 scheint ferne Zukunft, geht es aber um Umweltziele, gilt es langfristig zu planen. Deshalb hat das Land Südtirol schon seine Klimastrategie auf dieses Jahr ausgelegt und darin das wichtigste Ziel vorgegeben: Der Kohlendioxid-Ausstoß pro Kopf soll von derzeit rund 5 auf unter 1,5 Tonnen jährlich gedrückt werden. Dieses ehrgeizige Ziel kann auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden: diese Wege wurden von Eurac Research untersucht, Strategien verglichen, Szenarien erarbeitet. Das Ergebnis: Am erfolgversprechendsten ist eine Strategie, die auf eine nachhaltige, emissionsfreie Mobilität und eine Steigerung der Energieeffizienz jener Gebäude setzt, die vor 2010 erbaut worden sind. Interessanter Nebeneffekt: Die Senkung des Energieverbrauchs setzt Kapital frei, das anderweitig im Land investiert werden kann.

„Mit unserem Modell können wir simulieren, wie viel Energie in Südtirol produziert, benötigt und verbraucht wird“, erklärt Wolfram Sparber, international anerkannter Energieexperte von EURAC Research. Dort wurden nicht weniger als 25.000 Szenarien für Südtirols Energieverbrauch der Zukunft simuliert und aus diesen die wirtschaftlichsten ausgewählt, mit denen die Ziele des Klimaplans erreicht werden können. „Die berechneten Szenarien zeigen, dass mehr als 50 Prozent der Mobilität emissionsfrei sein sollten und der Wärmeverbrauch in Gebäuden um mehr als 60 Prozent gesenkt werden sollte“, so Sparber.

Wer nun fürchtet, dass solche Energiesparmaßnahmen teuer sind, ist auf dem Holzweg. Die Simulationen von EURAC Research zeigen, dass die Ausgaben der Südtiroler für Energie jährlich um ein Fünftel gesenkt werden könnten. Die frei werdenden Mittel könnten wiederum in lokale Energiesysteme fließen, denn „mehr als 400 Millionen Euro, die derzeit für fossile Brennstoffe ausgegeben werden und einen geringen Mehrwert im Land generieren, würden stattdessen in das lokale Energiesystem und in die energetische Sanierung von Gebäuden fließen“, so Sparber.

Die Simulationen gehen von den aktuellen Daten zu Energieproduktion und -verbrauch aus und zeigen Wege auf, wie künftig Energie im Land produziert und genutzt werden kann. Notwendigerweise basiert das Modell auf Vereinfachungen, wertvolle Erkenntnisse für die Energiepolitik der Zukunft lassen sich daraus aber trotzdem ableiten. Auf der einen Seite steht dabei die Prognose des künftigen Energiebedarfs für Strom, Heizung und Verkehr, auf der anderen Seite werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie dieser mit Hilfe von Wasserkraft, Photovoltaik, Biomasse oder Wärmepumpen gedeckt werden kann. Berechnet werden daraus die gesamtgesellschaftlichen Kosten des untersuchten Energiesystems, sodass die Szenarien – bei vorgegebenen Nachhaltigkeitszielen – auch wirtschaftlich vergleichbar sind.

Das Energiemodell von EURAC Research ist eines, das weit über die Landesgrenzen hinausreicht und auch für andere Regionen genutzt werden kann. „Es ist ein innovatives Modell, weil es das Energiesystem eines Gebiets Stunde für Stunde über ein gesamtes Jahr simuliert“, erklärt David Moser, Photovoltaik-Experte bei EURAC Research. Und warum Stunde für Stunde? „Die stündliche Simulation ist vor allem für Energiequellen wie die Photovoltaik wichtig, deren Produktion nicht regelbar ist“, so Moser. Das EURAC-Modell liefert demnach den technischen Unterbau für politische Entscheidungen rund um die Energieversorgung der Zukunft. Entscheidungen, die etwa der Südtiroler Umwelt- und Energielandesrat Richard Theiner zu treffen hat: „Die Forschung und das Modell von Eurac Research sind von großer Bedeutung für Südtirol, weil sie Daten liefern, die uns verstehen lassen, in welchen Bereichen unseres Energiesystems wir eingreifen müssen.“ Das Ziel bleibt dabei klar: der Kampf gegen Luftverschmutzung und Klimakiller.