Unternehmen

19 Juli 2017IDM

Militärische Sicherheit und ziviler Komfort: Neues Geländefahrzeug mit Bozner Wurzeln

Der Bozner Standort von Iveco Defense Vehicles feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. Ein Geschenk hat sich das Unternehmen gleich selbst gemacht: ein neues militärisches Geländefahrzeug, produziert in einem Werk mit Industrie-4.0-Standards und fast 1000 Mitarbeitern.

4.0 ist nicht nur das Bozner Iveco-Werk (ein Ableger des Konzerns CNH Industrials), 4.0 ist auch das neue Geländefahrzeug, das militärische Sicherheit mit zivilen Standards in Sachen Komfort und Emissionsbelastung kombiniert. Entwickelt für Streitkräfte rund um den halben Globus (von Europa bis Nordamerika) reiht sich das Fahrzeug in die Kategorie der MUV, der Military Utility Vehicles, ein, wurde in Bozen konzipiert und wird auch hier produziert. Das ist wiederum kein Zufall, bedenkt man die mittlerweile 80-jährige Tradition dieses Werks in der Produktion von Geländefahrzeugen für Streitkräfte und den Zivilschutz.

Iveco Defense Vehicles und der Südtiroler Automotive-Sektor

900 Mitarbeiter beschäftigt Iveco am logistisch optimal gelegenen Standort an der Brennerachse und diese decken ein breites Spektrum an Kompetenzen ab: von der Ingenieurtechnik über den Kundenservice bis hin zu Marketing und Personalführung. Um effizient produzieren zu können, hat man zudem den gesamten Produktionsprozess erst kürzlich auf neue Beine gestellt und ein vertikales Modell eingeführt. Das heißt, dass jedes Fahrzeug und jede Komponente (Fahrerkabine, Motor, Schaltung, Driveline) hier von Grund auf zusammengebaut wird, dass man also bei den Blech- bzw. Einzelteilen startet. Zudem hat man sich in den letzten Jahren in Bozen auf die thermische Behandlung von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen bzw. auf die Lackierung spezialisiert. Und stehen die Fahrzeuge einmal auf den Rädern, werden sie auf der eigens angelegten Teststrecke in Pfatten vor den Toren Bozens auf Herz und Nieren geprüft.

Weil es sich bei Iveco in Bozen um ein Werk nach Industrie-4.0-Standards handelt, hat man auch ein Vorhersagesystem für die Instandhaltung der Anlage eingeführt. Die eingesetzten Maschinen überwachen sich demnach stetig selbst, sollte ein Verschleißteil oder ein Zahnrad Abnutzungserscheinungen aufweisen, wird es selbständig und präventiv ausgetauscht. So werden Stillstände in der Produktion verhindert, vor allem aber irreparable Schäden an den Anlagen.

Der Bozner Standort von Iveco Defense Vehicles ist – allein schon wegen seiner Größe und Bedeutung – eines der Aushängeschilder des Automotive-Sektors, der in Südtirol wächst und wächst. International vernetzte Unternehmen entwickeln und produzieren im Land Komponenten, die in Fahrzeugen der renommiertesten Marken Einsatz finden. Zudem spezialisiert man sich – der Südtiroler Innovations-DNA folgend – immer stärker auf die Elektromobilität. Allerdings ist Iveco nicht nur ein Aushängeschild, es ist zugleich auch Ausnahme, werden hier doch nicht nur Komponenten, sondern gleich ganze Fahrzeuge hergestellt. Diese verlassen das Werk in einer relativ kleinen Stückzahl, nachdem es sich um hoch spezialisierte Fahrzeuge handelt, die zudem je nach Kundenwünschen individuell angepasst werden. Auch deshalb beschäftigt allein die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Iveco nicht weniger als 150 Ingenieure und Techniker.

Das neue MUV

Das neue MUV, das zum 80. Geburtstag des Bozner Iveco-Standortes vorgestellt wurde, ist auch deren Werk, handelt es sich doch um die Weiterentwicklung des Erfolgsmodells 40.15, eines leichten taktischen Geländefahrzeuges, das von Streitkräften neben gepanzerten Fahrzeugen eingesetzt wird. Der Einsatzbereich eines solchen leichten Geländewagens ist ein breiter: vom Truppentransport bis zum logistischen Einsatz ist das Fahrzeug zum Allzweck-Instrument geworden.

Die Fahrzeugkabine hat man vom handelsüblichen Transporter Iveco Daily übernommen, hat diese verstärkt und auf militärische Notwendigkeiten ausgerichtet. Trotzdem bleiben Komfort und Sicherheit eines zivilen Fahrzeugs erhalten. Ebenso „zivil“ sind die Emissionswerte: das neue MUV wird von Euro-3- oder gar Euro-6-Motoren angetrieben. Kein Wunder also, dass Anfragen aus der halben Welt in Bozen eintrudeln. Die Palette der Interessierten reicht von den italienischen Polizeieinheiten über die Streitkräfte aus Kanada bis zu jenen vieler europäischer Länder.

Der 80. Geburtstag

Seinen großen, weil ersten Tag hatte das MUV übrigens bei den Feierlichkeiten zum 80-jährigen Bestehen des Iveco-Werks in Bozen, zu denen nicht nur Vertreter der Institutionen und Unternehmen geladen waren, sondern auch jene der Universitäten von Bozen und Trient. Vincenzo Giannelli, Präsident und CEO von Iveco Defense Vehicles, hob dabei die Bedeutung seines Unternehmens für das wirtschaftliche Gefüge Bozens hervor, unterstrich aber auch, dass es Iveco gelungen sei, sich weit über die Grenzen hinaus einen mittlerweile in aller Welt anerkannten Namen zu machen. Nicht weniger als 70 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Iveco folgerichtig außerhalb Italiens.