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24 April 2017IDM

Green Technologies für die Green Region: Von der Uni in die Praxis

Das Forschungs- und Entwicklungszentrum der global tätigen Officine Maccaferri Spa und die Freie Universität Bozen präsentieren gemeinsame Projekte.

Südtirol ist als Italiens „Green Region“ bekannt: Hier finden sich zahlreiche Unternehmen, die mit „grünen“ Technologien und Innovationen handeln, und demzufolge auch ein effizientes Netzwerk sowie modernstes Know-how – Gründe dafür, dass sich auch Firmen von auswärts im Land ansiedeln und vom vorhandenen „grünen“ Wirtschafts-Ökosystem profitieren.

Zum Beispiel forscht und entwickelt die Officine Maccaferri Spa seit rund zweieinhalb Jahren in Bozen und wird als eines der ersten Unternehmen in den in Kürze fertiggestellten Technologiepark NOI in der Südtiroler Landeshauptstadt einziehen. Der Konzern mit Stammsitz in Bologna (Emilia-Romagna) und mehr als 70 Niederlassungen auf fünf Kontinenten, fast 3.000 Mitarbeitern sowie 1,3 Milliarden Euro Jahresumsatz beschreibt sich selbst als „hochspezialisierten Techniker in Planung und Ausführung komplexer Lösungen für das Bauwesen sowie für geotechnische und umweltgerechte Bauvorhaben“.

Damit kann das Maccaferri Innovation Center (MIC) nicht nur vom Südtiroler Wissens- und Erfahrungsschatz im Bereich Green Technology, sondern auch von jenem in Alpine Technology profitieren – einem weiteren Stärkefeld der heimischen Wirtschaft.

Mittlerweile arbeitet im MIC ein achtköpfiges Team, das bei seiner Tätigkeit auch auf die Kompetenzen und die Kooperation mit regionalen Organisationen und Forschungseinrichtungen setzt. So wurde am 20. April die Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und der Freien Universität Bozen (unibz) offiziell vorgestellt. Dass bei der Präsentation Gaetano Maccaferri, Präsident des Gruppo Maccaferri, persönlich anwesend war, unterstreicht den Stellenwert des MIC im Konzern.

MIC vereint Universitätswelt und Praxis in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Bozen

„Manchmal scheint es, als ob die Universitätswelt und die Industrie konträre Zielsetzungen hätten”, sagte Gaetano Maccaferri bei dem Termin. „Die Realität zeigt hingegen, dass man über einen gemeinsamen Nenner und das Bündeln der Kompetenzen sehr wohl die Interessen verschiedener Partner zusammenbringen kann, um an einem Strang zu ziehen. Für ein für beide Seiten zufriedenstellendes Ergebnis benötigt es eine gemeinsame Vision, die Eigenheiten und Zielsetzungen beider Partner respektierend. Dies ist unserem Unternehmen und der Freien Universität Bozen gelungen.”

Paolo Lugli, Rektor der Freien Universität Bozen, fügte an: „Diese Forschungskooperation mit den Officine Maccaferri Spa zeigt exemplarisch auf, welche Bedeutung das produzierende Gewerbe als auch die Anwerbung von Drittmitteln für didaktische und Forschungsinitiativen für uns einnehmen.“

Neben Masterprogramm werden Projekte der Umwelttechnik gemeinsam verwirklicht

In diesem Sinne wird Maccaferri zum einen das neue unibz-Masterprogramm „Green Technologies and Infrastructures: Design and Management“ (der Studiengang startet im Herbst 2017) mit rund 30.000 Euro mitfinanzieren. Zum anderen wird das MIC gemeinsam mit den beiden universitären Laboren für land- und forstwirtschaftliche Innovationen bzw. für thermische Strömungsmechanik Projekte der Umwelttechnik abwickeln.

Eines davon ist WEQUAL, das die Entwicklung einer Onlineplattform zum Ziel hat, mit deren Hilfe Auswirkungen von Hydraulikinfrastrukturen auf die Umwelt sichtbar gemacht werden sollen. Für das auf zweieinhalb Jahre angelegte Projekt wird rund eine Million Euro ausgegeben, 60 Prozent davon finanziert die öffentliche Hand, die verbleibende Summe investieren die teilnehmenden Firmen, neben Maccaferri handelt es sich dabei um Mavtec, ein in Bozen angesiedeltes Spin-off des Politecnico di Torino (entwickelt, produziert und vertreibt sowohl ferngesteuerte als auch autonome Kleinfluggeräte, sogenannte Drohnen) und das Beratungsunternehmen Naturstudio (Triest).

„Das interdisziplinär ausgelegte Projekt vereint Kompetenzen der Umwelttechnik mit Informationstechnologie“, erklärte Fabrizio Mazzetto, Prodekan der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik. Erste Ergebnisse erwartet er bereits in wenigen Monaten.

Mit dem Labor für thermische Strömungsmechanik indes führt Maccaferri ein Zweijahresprogramm durch. Für dieses wird das Labor die Funktionalität neuer, vom MIC entwickelter Technologien überprüfen. „Wir testen innovative Lösungen für einige Produkte von Maccaferri, die in Flüssen – sowohl zur Stabilisierung des Flussbetts als auch der Ufer – zur Anwendung kommen, immer mit besonderem Augenmerk auf die Umweltverträglichkeit”, führte Maurizio Righetti, Professor an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik, aus.

Für dieses Projekt müssen – ob der dafür nötigen speziellen Gerätschaft – vorab Tests in den USA durchgeführt werden. Das könnte sich in Zukunft ändern, wagte Francesco Ferraiolo, Managing Director Maccaferri Innovation Center, einen Blick in die Zukunft und regte an, an der unibz ein italienisches oder gar europäisches Kompetenzzentrum für den Bereich einzurichten.

Doch ob dieser Wunsch tatsächlich Realität wird, wird wohl auch vom Erfolg der Zusammenarbeit von Maccaferri und unibz abhängen.