Landschaften

2 Mai 2017IDM

Existenz-Sicherung „Frostschutzberegnung“: Wie Südtirol seine Obstbäume schützt – und auch dem schlimmsten April-Wetter trotzt

In der Bodensee-Region klagen die Obstbauern bereits im April über bevorstehende Ernteausfälle. Der Grund: Temperatur-Einbrüche und Frost. Mit 950.000 Tonnen Äpfeln pro Jahr gehört auch Südtirol zu den größten Obstanbaugebieten Europas – und weiß, wie es seine blühenden Schätze schützen kann: Die sogenannte „Frostschutzberegnung“ macht den rentablen Obstanbau in Südtirol erst möglich.

„In den Anlagen des Seeblickhofs bei Wahlwies sank das Thermometer auf minus 4,2 Grad. Auf den Reutehöfen bei Überlingen ging die Temperatur noch weiter in den Keller. Sie sank auf 5,1 Grad unter Null. Die Messstation in Ailingen, einem Zentrum des Apfelanbaus bei Friedrichshafen, wies mit minus sechs Grad den Rekord aus“, berichtet die Bodensee-Zeitung „Südkurier“. Die Folge: „Apfelbäume stehen gerade in voller Blüte, und nun befürchten viele Produzenten am Bodensee massive Frostschäden.“

Das Wetter im April hat es bekanntlich in sich. Freute sich manch einer zu Monatsbeginn schon über den Start der Freiluft-Saison - samt Biergärten und allem, was eben so dazu gehört – brachen die Temperaturen nur wenige Tage später wieder merklich ein. Für Sonnenanbeter ärgerlich, für Obstbauern unter Umständen eine Katastrophe. "Es gibt Obstanlagen, wo alles weg ist. Die Bäume haben Stress", so Obstbauberater Wilfred Rösch gegenüber dem Südkurier. Und weiter: "Es sieht ziemlich schlecht aus Es gibt keine Anlage ohne Frostschäden."

Die sicherste Abwehrmethode gegen Frost

Was am Bodensee in einer echten Katastrophe für die Obstbauern münden kann, wird in Südtirol dank der sogenannten „Frostschutzberegnung“ schon seit Jahren erfolgreich bekämpft: Temperatur-Einbrüche und Frost.

Unter Frostschutzberegnung versteht man das gezielte Besprühen von Nutzpflanzen im Obstbau sowie in Baumschulen mit sehr feinen Wassertröpfchen. Beim Gefrieren des verteilten Wassers wird auf den Pflanzen Kristallisationswärme freigesetzt. Das Ergebnis: Pflanzen werden, während sie blühen, vor Frosteinbrüchen geschützt und spätere Ernteausfälle vermieden. 

Ein Südtiroler Unternehmen, das unter anderem Frostschutzberegnung anbietet, ist „Frei und Runggaldier“ mit Sitz in Kaltern. Rund 40 Mitarbeiter beschäftigt die Firma und verfügt außerdem über einen großen Fuhr- und Maschinenpark. „In Südtirol wäre es kaum möglich, rentablen Obstbau zu betreiben, ohne eine intensive Frostabwehr durch Beregnung“, heißt es von Seiten des Unternehmens. Und weiter: „Die Beregnung stellt die sicherste Abwehrmethode gegen Frost aller erprobten Verfahren dar“. 

950.000 Tonnen Äpfel 

Laut dem Landesinstitut für Statistik (ASTAT) sind die Obstbauflächen in Südtirol seit 1970 um etwa ein Fünftel gewachsen. Durch Intensivierung, Produktionsverbesserung und Innovationen wie die „Frostschutzberegnung“ hat sich die Obsternte in dieser Zeit sogar mehr als verdoppelt. Dabei hat Südtirol mit 18.400 Hektar Anbaufläche, was mehr als 25.000 Fußballfeldern entspricht, das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Europas. 

Mehr als 7.000 Obstbauern kümmern sich um den Anbau des Südtiroler Apfels. Jedes Jahr werden dadurch etwa 950.000 Tonnen Äpfel geerntet, was 50 Prozent der italienischen und zehn Prozent der europäischen Apfelernte entspricht. Übrigens: Mit 30 Prozent der Exporte hat Deutschland den größten Appetit auf Südtiroler Äpfel überhaupt. Ohne Innovationen wie die „Frostschutzberegnung“ wären solche Zahlen unmöglich zu erreichen. Auch hier zeigt sich einmal mehr, warum Südtirol nicht nur für seine Schönheit bekannt ist – sondern auch für seine Effizienz und Innovationsstärke.