Forschung

10 November 2016IDM

Einzigartig in Europa: der Eurac-Klimasimulator

Der ultramoderne Testraum wird 2018 im NOI Techpark eröffnet, dem neuen Wissenschafts- und Technologiepark in Bozen. Eine Südtiroler Exzellenzgeschichte.

Arktische Kälte und afrikanische Hitze, tropische Feuchtigkeit, Wind, Niederschläge und Luftdruck wie in 9.000 Metern Höhe können in einem einzigen künstlichen Raum erzeugt werden – ideal für Klimatests in der wissenschaftlichen und industriellen Forschung. Das Zentrum für die Simulation extremer Klimaverhältnisse ist ein Projekt der Eurac, der Europäischen Akademie Bozen, und es ist einzigartig in Europa.

Denn die bestehenden europäischen Simulatoren sind nicht in der Lage, einzelne atmosphärische Faktoren zu kombinieren, wie sie hingegen in den zwei Räumen des Südtiroler Simulators gleichzeitig entfesselt werden können. Etwa Temperaturen von polar (-40 °C) bis wüstenheiß (+60 °C), Feuchtigkeit von 10 bis 95 %, aber auch der Luftdruck in 9.000 Metern Meereshöhe, Windgeschwindigkeiten von bis zu 30 m/s, Regen bis zu 60 l/m² in der Stunde, Schneefall von 200 bis zu 400 kg/m³ sowie UV-Strahlung von bis zu 1.000 Lux.

„Die Idee“, erzählt Andrea Nollo, der Ingenieur der Eurac, der das Projekt betreut, „hatte 2011 der Leiter unseres Instituts Hermann Brugger. Er wollte testen, wie der menschliche Körper auf die Notsituation aus Unterkühlung plus Sauerstoffmangel reagiert. Es gibt keine solchen Klimakammern in Europa. Die Besonderheit unseres Simulators ist die Möglichkeit, Temperatur-, Feuchtigkeits- und Druckschwankungen mit Niederschlägen und UV-Strahlung zu kombinieren.“ Auf diese Weise lassen sich auch Materialien und Prototypen in einem individuell programmierten Klimaszenario testen, unter standardisierten, reproduzierbaren, vergleichbaren und über längere Zeit beobachtbaren Bedingungen.

„Bei -20 °C funktionieren etwa einige medizinische Geräte nicht mehr“, erklärt Nollo. „Dank dieses Simulators müssen die Hersteller ihre neuen Instrumente nicht mehr in 4.000 Meter Meereshöhe testen, um zu sehen, ob sie funktionieren.“ Das Simulationszentrum bietet bis zu zwölf Personen Platz und umfasst auch Ruhezonen und Sanitäranlagen, sodass sich das Personal, das die Tests durchführt, bis zu 45 Tage lang ohne Unterbrechung im Simulator aufhalten kann.

Im Dienste von Wissenschaft und industrieller Forschung

Das Zentrum für die Simulation extremer Klimaverhältnisse entsteht im Rahmen des Instituts für Alpine Notfallmedizin der Eurac und besteht aus zwei Unterdruckkammern, der Large Environmental Chamber (LEC) und der Small Environmental Chamber (SEC). Die Hauptkammer wird 12 mal 6 Meter groß und knapp 5 Meter hoch sein.

Das neue Zentrum soll in erster Linie der wissenschaftlichen Forschung dienen; so kann etwa die Funktion von Rettungsgeräten unter bestimmten Bedingungen untersucht werden. Es wird aber auch Dienstleistungen für Unternehmen anbieten, die ihre Produkte testen wollen: von Sport- und Funktionskleidung bis zu technischen Geräten, von der Automobilindustrie bis zum Pharmasektor; nicht zu vernachlässigen sind auch die möglichen Anwendungen in der landwirtschaftlichen Forschung.