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11 Februar 2017IDM

Wo sich Drohnen lohnen

Vermisste Bergsteiger suchen, unwegsames Gelände vermessen oder Filmszenen von oben filmen: Drohnen haben heute vielfältige Einsatzfelder.

Welche das in Südtirol sein könnten, welche Anforderungen dabei an die Technik gestellt werden, und was Südtirols Drohnenbranche bereits bieten kann, ist Thema einer Fachtagung, die das Ecosystem Alpine Technologien - Zivilschutz & Alpine Sicherheit und der Bereich Film von IDM in Bozen organisierten. Vorgestellt wurde dabei auch die Initiative RPAS 4-SAR von IDM, bei der Zivilschutzorganisationen bei Einsatz von professionellen Drohneneinheiten - sogenannten Remotely Piloted Aircraft Systems (RPAS) - finanzielle Unterstützung bekommen können.

„Zivile Drohnen können vielseitig eingesetzt werden; die Palette reicht vom Rettungseinsatz über Geoinformation und Filmwirtschaft bis zur Anwendung in der Industrie. Von den neuen Technologien kann auch Südtirol nachhaltig profitieren. Zudem eröffnen sich durch diese innovative Dienstleistung viele Geschäftschancen. Auf die neuen Möglichkeiten, die sich hier bieten, möchten wir als IDM aufmerksam machen“, sagte IDM-Präsident Thomas Aichner bei der Eröffnung der Fachtagung „Drohnen im Alpenraum“. Internationale Referenten beleuchteten dort die wichtigsten Anwendungsfelder von Drohnen näher, anschließend diskutierten Experten über Machbarkeit und Status quo in Südtirol.

Besonders interessant könnte der Einsatz von Drohnen im Zivilschutz sein. Thomas Griesbeck, stellvertretender Geschäftsführer der Bergwacht Bayern, berichtete über die Erfahrungen, die man in Bayern mit Drohnen bei Rettungseinsätzen gemacht hat: „Wir machen seit einiger Zeit selbst Bilder von Einsatzgebieten, etwa nach Muren- und Lawinenabgängen, und ersparen uns dadurch den teuren und oft gefährlichen Einsatz von Helikoptern.“ Allerdings gebe es noch Luft nach oben bei der Entwicklung der entsprechenden Technologien. In Südtirol verfügen die Zivilschutzorganisationen selbst über keine eigenen Drohneneinheiten, zeigen sich aber sehr interessiert an den neuen Technologien. „Wir verfolgen das Thema seit geraumer Zeit genau, um entscheiden zu können, wie wir diese Technologie in Südtirol am besten einsetzen können“, sagte Florian Alber, Kommandant der Berufsfeuerwehr Bozen, bei der Fachtagung.

Beispiele, wie bereits jetzt Drohnen in der Industrie eingesetzt werden und was in Zukunft noch möglich sein wird, brachte hingegen Norbert Lohl, Vorsitzender des UAV DACH Verbands, des Berufsverbands für alle Bereiche der unbemannten Luftfahrt in Europa. So helfen Drohnen z.B. schon beim Bau von Pkw oder Flugzeugen: Per Auftrag an die Computer der verschiedenen Herstellerfabriken liefern Drohnen alle nötigen Einzelteile zeitgerecht am richtigen Ort ab. Technisch machbar sollen künftig aber sogar automatisch gesteuerte Transportflüge und in fernerer Zukunft auch Passagierflüge sein, so Lohl.

Ein Einsatzbereich für Drohnen, der am Standort Südtirol auch dank Unterstützung der Arbeit der Filmförderung von IDM gut ausgebaut werden könnte, ist der Film. Tagungsreferent Gianpietro Palazzi von VideoVolando aus Rom hat hier bereits große Erfahrung, hat er doch z.B. für die Serie „Un passo dal cielo“ Filmszenen mit Drohnen realisiert. ”Man muss gut aufgestellt sein, um den oft schwierigen Anforderungen von Gesetzgebung und Kunden nachkommen zu können“, so Palazzi. „Drohnen im Film“ sind eine Nische, die laut IDM auch heimische Anbieter besetzen könnten; eine Umfrage unter den etwa 40 zertifizierten professionellen Piloten in Südtirol hat ergeben, dass noch keiner von ihnen im Filmbusiness Fuß gefasst hat. In der Studie wurde erhoben, welche Business-Möglichkeiten Drohnen derzeit bereits bieten und wie man diesen Bereich am effizientesten und nachhaltigsten in seiner Entwicklung unterstützen kann. Die Umfrage zeigte auf, dass die meisten Piloten derzeit Dienstleistungen im Bereich Medien und Unterhaltung anbieten. In Zukunft möchten sie sich vor allem in den Bereichen Datenerhebung und Automation, Zivilschutz und SAR (Search and Rescue – Suche und Rettung) weiterentwickeln und hier Dienstleistungen anbieten. 

Da die Einsatzfelder für Drohnen schon jetzt sehr vielfältig sind, gibt es bereits unzählige Modelle und Ausstattungsattribute. “In verschiedenen Anwendungssituationen verfolgen Drohnen unterschiedliche Zwecke. Eine Drohne für die Bergrettung muss vor allem robust sein und schlechte Witterung aushalten können. Wenn ich eine verletzte Person mit ihr entdecke, geht es darum, diese zu retten. Da kann ich mich nicht darum kümmern, dass das Gerät möglichst sanft wieder zum Boden kommt,” erläutert Sebastian Mayrgündter, Koordinator der Arbeitsgruppe bei IDM und Moderator der Tagung. “So ein Gerät sollte dann also keine 100.000€ kosten. Beim Film hingegen kommt es auf höchste Videoqualität an – da darf es dann ruhig das teurere Gerät mit hochsensibler Steuerung und Aufnahmetechnik sein.”

Betrachtet man das Thema Drohnen aus rechtlicher Perspektive, so steckt die Gesetzgebung hier noch in den Kinderschuhen, aber aufgrund der fortschreitenden Verbreitung, geht es langsam voran. Erste Regelungen beziehen sich nicht nur auf die Anforderungen an die Geräte an sich, sondern auch auf diejenigen, die sie bedienen. “Drohnen-Piloten brauchen eine spezielle Ausbildung und müssen eine bestimmte Anzahl an Testflügen nachweisen”, so Mayrgündter. “Leider gibt es bisher nur nationale Regelungen, das heißt ein Pilot, der in Deutschland eine Drohne fliegen darf, kann sie nicht in Italien in die Luft bringen.” Italien hat laut Mayrgündter eine Vorreiterrolle wenn es um die rechtlichen Bestimmungen für Drohnen geht.

 

Bei IDM kümmert sich eine eigene Arbeitsgruppe um das Thema „Drohnen“; darin engagieren sich sechs Unternehmen gemeinsam mit der EURAC, der Freien Universität Bozen, der Agentur für Bevölkerungsschutz und der Zivilluftfahrtbehörde ENAC: „Gemeinsam entwickeln die Mitglieder unserer Arbeitsgruppe neue Technologien und setzen Schritte, um den Markt im Alpenraum zu erobern“, erklärte Sebastian Mayrgündter. Um die Akzeptanz und Sensibilität für die neue Dienstleistung zu erhöhen, beteiligt man sich bei IDM mit der Initiative RPAS-4-SAR am ARGE ALP Projekt EVADAR. Fast ein halbes Jahr lang stellt man dabei Gelder zur Verfügung, damit professionelle Drohneneinheiten für Einsätze und Übungen der Feuerwehr, der Bergrettung und aller Zivilschutzorganisation in Südtirol eingesetzt werden. Infos dazu gibt es unter safety@idm-suedtirol.com.