Kultur

20 April 2017IDM

Design zum Anfassen

Alex Terzariol, Kreativdirektor des Studios MM Design in Bozen, ist weltweiter Botschafter des italienischen Designs. Seine Designs gibt es jetzt zum Anfassen im Stadtmuseum in Klausen.

Ebenso bescheiden wie erfolgreich. Seit 2014 ist Alex Terzariol Botschafter des italienischen Designs und Meister seines Fachs. Die von ihm designeten Gegenstände sind weltweit bekannt und hautnah zu erleben in einer Austellung über ihn und seine Entwürfe im Stadtmuseum in Klausen mit dem Titel "Wirklichkeit eines Traumes". Wir stellen ihn und seine Designs vor!

Ein 30-jähriger Prozess

Dreißig Jahre Deiner Karriere und Kreationen sind hier heute vereint. War es stets Dein Traum, Designer zu werden?
Alex Terzariol: Ja, anfangs war es jedoch ein ferner Traum. Ich habe Objekte gerne auseinandergebaut, um sie dann anders zusammenzustellen. Und ich habe mich immer schon kreativ gefühlt. Das Entscheidende damals war jedoch zu verstehen, ob ich auch wirklich kreativ bin. Mit diesem Anliegen und einigen meiner Notizblöcken ging ich zu einem Professor des europäischen Institutes für Design in Mailand.  

…der gleich davon begeistert war?
So war es leider nicht. Er meinte, ich könne so weitermachen und irgendwann die Skizzen meinen Enkelkindern zeigen, oder Ernst machen und die Universität besuchen. Wenn ich heute daran zurückdenke, dann waren meine Zeichnungen von damals doch sehr naiv. 

Dein Traum ist letztendlich wahr geworden…
Genau. Wie es der Titel „Wirklichkeit eines Traumes“ schon sagt, möchte ich mit der Ausstellung diesen Meilenstein als Designer feiern. 

Vom Kopf in die Hand

Wie und wo entsteht das Design Deiner Objekte?
Mein Büro in der Bozner Altstadt ist zweigeteilt. Zum einen zeichnen wird die Pläne auf Computern. Eine Tür weiter befindet sich die Werkstatt. Sägen, bohren, schrauben – ich baue zuerst die Objekte, denn um zu verstehen, ob ein Gegenstand wirklich funktioniert, muss ich ihn anfassen können. Eine Zeichnung reicht nicht aus.

Du hast vom Kopfkissen für die Badewanne, dem Skistock bis hin zum Türgriff die unterschiedlichsten Gegenstände entworfen. Was war Dein bisher erfolgreichstes Projekt?
Da gab es einige. Ein großer Schritt nach vorne ist mir sicherlich mit dem Design des orangen Telefonautomaten gelungen, das ich in meinen ersten Berufsjahren für das Design-Studio von Rodolfo Bonetto in Mailand entworfen habe. 

Substanz und nicht nur Ästhetik

Eines haben all Deine Objekte gemeinsam: Sie sehen schön aus. 
Das mag sein, Design geht aber über die Ästhetik hinaus. Ich sehe mich nicht als Stilisten, denn Design ist nicht Mode und auch kein Stil. Designer machen keine Hüllen von Objekten, sondern beschäftigen sich mit den inneren Elementen. Ich möchte Dinge verbessern, sie den Anforderungen anpassen und eben nicht nur verschönern. Bei der Illy Kaffeemaschine ist uns das recht gut gelungen.

Sie sieht wie ein kleiner Brunnen aus. Wie kam es zu dieser neuartigen Form?
Um ein Design zu entwerfen, müssen oftmals zuerst die inneren Elemente verändert werden. Genau das haben wir gemacht. Wenn wir nicht an einer neuen Form getüftelt hätten, gäbe es nun keine innovative Kaffeemaschine. Was das Auge bereits kennt, haben wir geändert. Ansonsten riskiert man, dieselben Dinge immer gleich aussehen zu lassen. 

Gehen Deine Ideen immer auf?
Leider nicht. Bei der Reise-Kaffeemaschine blieb es bei einem Prototypen. Wahrscheinlich war es zu bahnbrechend, obwohl der Kaffee daraus ausgezeichnet schmeckt. Dafür entstanden aus unzähligen anderen Ideen schöne und funktionelle Objekte. 

Bevor ich mich verabschiede, interessiert mich noch eines. Alex, was macht Dich als Meister Deines Fachs am meisten stolz? 
Der wahre Erfolg ist für mich, wenn die Leute das verwenden und wertschätzen, was ich entworfen habe.

MM Design

Nach seinem Studium und den ersten Berufserfahrungen in Mailand, kehrte Alex Terzariol nach Südtirol zurück und gründete 1991 MM Design. M steht für die römische Zahl Tausend, da er damals ehrfürchtig der Jahrtausendwende entgegenblickte. Mit Betrieben von internationalem Rang arbeitet er in verschiedenen Bereichen zusammen: Sport-, Industrie-, Transport-, Haushalts- und Küchendesign. 2013 eröffnete MM Design eine Filiale im medizinischen Bereich in Brasilien. Teamarbeit ist die wahre Stärke von MM Design. Deshalb signiert der Designer die Arbeiten nie mit seinem Namen, wohl aber mit dem seines Unternehmens.

 

Quelle: Was uns bewegt