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21 Juni 2017IDM

Wien hat Appetit auf Südtirol

Ein Aperitif soll den Appetit anregen. Genau das war auch die Aufgabe eines „Aperitivo auf Südtirolerisch“, den IDM Südtirol Mitte Juni über den Dächern von Wien organisiert hat. Er sollte österreichischen Unternehmen Appetit auf den Wirtschaftsstandort Südtirol machen: mit Charme und vielen guten Argumenten.

Nicht nur aus historischen Gründen ist die Bindung Südtirols an Österreich seit jeher eng: politisch, kulturell und nicht zuletzt wirtschaftlich. So ist Österreich einer der wichtigsten Handelspartner von Südtiroler Unternehmen. „Fast elf Prozent des Exports gehen nach Österreich und fast ein Viertel aller Importe wickelt unsere Wirtschaft mit unserem Nachbarland ab“, erklärte etwa Petra Seppi, Investment Consulting & Promotion-Spezialistin bei IDM Südtirol, den zahlreichen österreichischen Unternehmern, die zum „Aperitivo auf Südtirolerisch“ gekommen waren. Für diesen hatte man sich einen exklusiven Standort ausgesucht: die Wirtschaftskanzlei Lansky, Ganzger & Partner hoch über den Dächern der Bundeshauptstadt.

Wirtschaftspartner und Sprungbrett

Dass der Aperitif gemeinsam mit dem Austrian Desk der italienischen Außenhandelskammer organisiert wurde, zeigt, dass Südtirol zwar im Fokus der Veranstaltung stand, das Interesse aber über die Landesgrenzen hinausging. „Südtirol ist nicht nur eine geographische und kulturelle Brücke zwischen Nord und Süd, sondern auch eines der wichtigsten Sprungbretter für Unternehmen, die auf dem italienischen Markt Fuß fassen möchten“, erklärte Seppi, die dafür auch gute Gründe nannte. Zum einen erleichtere die kulturelle und sprachliche Nähe Südtirols österreichischen Unternehmen den Einstieg, zum anderen leide das Land nicht unter der für Italien typischen Instabilität. Im Gegenteil: das Land Südtirol sei dank seiner Autonomie politisch stabil, werde effizient verwaltet und fördere Wirtschaft und Innovation tatkräftig.

Wichtigstes Beispiel für die Innovationsförderung sei – neben finanziellen Beiträgen (1,2 Millionen Euro für Kapitalisierung, 9 Millionen Euro für Innovation und noch einmal ebenso viel für hoch qualifiziertes Personal) – der NOI Techpark, der derzeit im Süden von Bozen entsteht. Hier werden Unternehmen und Forschungseinrichtungen kurzgeschlossen, um neuen Produkten und neuen Dienstleistungen den Boden zu bereiten. Weil man wisse, dass Südtirol im weltweiten Vergleich eine bescheidene Realität sei, strebe man auch nicht Innovation auf breiter Front an, sondern konzentriere sich auf besondere Bereiche. „Es sind jene Bereiche, in denen unsere Wirtschaft schon Know-how gesammelt und einen Vorsprung auf dem Markt hat“, so Seppi.

Von der grünen bis zur Alpintechnologie

Konkret wird demnach in den Bereichen erneuerbare Energie (Nutzung erneuerbarer Quellen, Energieeffizienz), Lebensmitteltechnologie, Automation und nicht zuletzt Alpintechnologie geforscht und entwickelt. Vor allem letzterer Bereich wird ein Aushängeschild des NOI Techparks, findet hier doch auch der „Extreme Environment Simulator“ Platz, in dem Klimabedingungen von der Wüste bis auf den Mount Everest simuliert werden können. Nur ein Forscher-Spielzeug? Nein, im Gegenteil: Im Simulator können Produkte preisgünstig und unter steuerbaren Extremsituationen getestet werden: von Windjacken über Fahrzeuge und Saatgut bis hin zu Methoden der alpinen Notfallmedizin.

„Deutsche Präzision und Verbindlichkeit sind gefragt“

Auch (noch) ohne den NOI Techpark ist Südtirol in den letzten Jahren zum Hotspot für Firmengründungen und Niederlassungen ausländischer Unternehmen geworden. Nimmt man den Zeitraum von 1995 bis 2015 als Maßstab, so hat die Zahl ausländischer Tochtergesellschaften in Italien um rund 145 Prozent zugenommen, in Südtirol um mehr als 600 Prozent. Und während 1995 gerade noch etwa vier Prozent aller italienischen Ableger ausländischer Firmen in Südtirol zu Hause waren, waren es 2015 schon fast 13 Prozent, darunter Branchengrößen wie Röfix und Hoppe, Würth und Miele, Röchling und Reusch, Doppelmayr und Hella.

Warum so viele Firmen Südtirol als Standort wählen, konnten die Teilnehmer am „Aperitivo auf Südtirolerisch“ in Wien aus erster Hand erfahren. Georg Gabrielli, Geschäftsführer des in Bozen angesiedelten Ablegers des österreichischen Lichtspezialisten XAL, erläuterte, dass es natürlich die Zweisprachigkeit Südtirols gewesen sei, die zunächst die Aufmerksamkeit seines Unternehmens auf den Standort gelenkt habe. Danach hätten aber auch die Nähe zur österreichischen Unternehmenskultur und das Vertrauen in Menschen und Markt eine große Rolle in der Entscheidung für Südtirol gespielt. Von hier aus kann ein interessanter Markt wie der italienische effizient beackert werden – mit teutonischen Stärken: „Deutsche Präzision und Verbindlichkeit werden in Italien hoch geschätzt und sind überaus gefragt“, so Gabrielli.